Obstbaumschnitt

Obstbaumschnitt ist kinderleicht und kann von jedem erlernt werden. Sehen Sie sich die nachstehenden pdf-Dateien mit einfach verständlichen Schnittanleitungen an!

Fruchtbehang an Spindelbüschen
Fruchtbehang an Spindelbüschen

Warum werden Obstbäume geschnitten?

  1. Es gilt, ein leistungsfähiges Kronengerüst aufzubauen. Dies ist das Rückgrat der fruchttragenden Äste, das die Last der Früchte aushalten muss. Bei der Spindel als Kronenform ist das Kronengerüst reduziert auf eine einzelne senkrechte Achse, die sog. Stammverlängerung.
  2. Der Baum soll in bereits jungen Jahren mit dem Fruchten beginnen.
  3. Alternanz, also das Abwechseln eines Jahres mit sehr hohem und sehr niedrigem Baumertrag, soll vermieden werden.
  4. Der zur Verfügung stehende Standraum der Krone soll optimal ausgenutzt werden, d. h. die Krone soll weder zu klein bleiben noch zu groß werden.
  5. Die Baumkrone soll lichtdurchlässig sein, damit das Sonnenlicht möglichst alle Früchte erreicht. Nur diese Früchte bilden ihre sortentypische Fruchtqualität aus und sind besonders reich an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen wie Vitaminen und phenolischen Verbindungen.
  6. Die Baumkrone soll locker aufgebaut sein, damit der Wind die Blätter nach Regenschauern wieder schnell abtrocknen kann. So entziehen Sie Pilzkrankheiten, die zur Etablierung auf dem Baum fast alle auf Feuchtigkeit angewiesen sind, die Möglichkeit, den Obstbaum zu befallen. Diese vorbeugende Maßnahme ist die beste und preiswerteste Form des Pflanzenschutzes.
  7. Hat der Baum seine Endgröße erreicht, gilt es, ihn durch Fruchtholzerneuerung in der Ertragsphase zu halten und Vergreisung zu vermeiden.

Was ist Kronenerziehung?

Die Kronenerziehung besteht aus zwei Komponenten: dem Schneiden und dem Formieren.

Der Schnitt dient in den Anfangsjahren dazu, ein tragfähiges Kronengerüst aufzubauen: Jeder Gerüstast – bei kleinkronigen Bäumen in Spindelerziehung ist das nur die Stammverlängerung – wird bis zum Erreichen der Sollhöhe jeden März zurückgeschnitten, so dass er sich kräftigt und Seitenzweige bildet. In späteren Jahren wird der Baum durch Fruchtholzschnitt in der Ertragsphase gehalten.

Das Formieren ist nichts anderes, als die Triebe, die sich im Kronensystem bilden, in die richtige Stellung zu biegen: Jungtriebe, die nicht zum Aufbau des Kronengerüstes gebraucht werden, werden waagrecht gestellt. Waagrecht gestellte Jungtriebe bilden sehr schnell Blütenknospen und im Folgejahr Früchte. Das Formieren dient also dem Einleiten einer frühen und hohen Fruchtbarkeit. Es ist mindestens so wichtig wie das Schneiden. Die Jungtriebe werden am besten Ende Juni/Anfang Juli waagrecht gestellt, da sie dann noch nicht vollständig verholzt sind. Entweder geschieht dies mit einer Schnur oder mit speziellen Astklammern, die leicht zu handhaben sind. Muss im Winter formiert werden, wartet man bis Ende März, weil sich die Triebe dann wieder gut biegen lassen, ohne zu brechen.

Wann soll geschnitten werden?

Im Laufe der Geschichte des Obstbaus wurden über den richtigen Zeitpunkt des Schnittes schon kontroverse Debatten geführt. Richtig ist, dass ein Schnitt im Herbst und frühen Winter unterbleiben sollte, weil der Baum in dieser Zeit nicht in der Lage ist, die Schnittwunden durch Wachstum zu verschließen. Sie wären dann lange Zeit Eintrittspforten für Holzparasiten. Zudem könnte starker Frost das Gewebe unterhalb der Schnittstellen schädigen. Daher wird der sog. Winterschnitt am besten erst im März nach den schwersten Frösten durchgeführt, aber auch im April ist es noch nicht zu spät.

Der Sommerschnitt mit den Formierungsarbeiten ist am leichtesten Ende Juni/Anfang Juli durchzuführen, wenn das Triebwachstum der Bäume weitgehend abgeschlossen ist, die Triebe aber noch nicht verholzt sind. Kirschen lassen sich auch gut nach der Ernte schneiden. Weit wichtiger als der Zeitpunkt des Schnittes ist aber, wie man den Schnitt und die Formierungsarbeiten vornimmt.

Ob Obstbäume in Topfkultur, am Spalier am Haus oder im Garten…

Sie können die Spindelerziehung an Topfbäumen oder freistehenden Bäumen anwenden. Ein Spalier am Haus oder ein Drahtspalier im Garten ist im Grunde nichts anderes als eine zweidimensionale Spindel, deren waagrechte Fruchtäste an Drähten fixiert werden. Denken Sie auf jeden Fall daran, dass Spindeln zeitlebens einen Pfahl benötigen, an dem sie angebunden werden, damit sie bei hohem Fruchtbehang nicht umfallen.