02.03.2019
Austriebsspritzung: Schnee von gestern oder topaktuell?

„Wann muss ich denn meine Obstbäume vor dem Austrieb spritzen, damit ich keine Würmer in den Früchte habe?“ Mit dieser Frage richten sich Jahr für Jahr Hobbygärtner an die Spezialitsten des Bayerischen Obstzentrums. Ist da etwas Wahres dran?

Vor fünzig Jahren war es eine Standardmaßnahme: Noch vor dem Aufbrechen der Knospen der Obstbäume wurde die sogenannte Austriebsspritzung vorgenommen. Dazu kam oft ein Gemisch aus Öl und einem starken Insektizid zum Einsatz, oft wurde auch noch ein Fungizid (Mittel gegen Pilzkrankheiten) zugegeben. Ziel war es, überwinternde Stadien von Insekten, die den Obstbäumen schädlich werden können, abzutöten. So z. B. die Eier von Spinnmilben oder Blattläusen. Das ist vielfach auch gelungen: Die eingesetzten Mittel taten ihre Wirkung.

Heutzutage sind derartige Austriebsspritzungen nicht mehr sinnvoll. Die seinerzeit verwendeten Mittel sind zum allergrößten Teil auch nicht mehr im Handel erhältlich, und selbst wenn es so wäre, würde sie kein vernünftiger Obstbauer mehr einsetzen. Mit den starken Insektiziden wurden bei den Austriebsspritzungen nämlich auch die Nützlinge stark geschädigt. Heute weiß man, dass der beste, wirksamste und nachhaltigste Pflanzenschutz darin besteht, möglichst wenig in den Naturhaushalt einzugreifen und so die natürlichen Gegenspieler von Insekten, die wir als Schädlinge bezeichnen, zu schonen.

Mit einer Austriebsspritzung konnte man übrigens noch nie verhindern, dass sich Maden in den Früchten entwickeln. Die dafür verantwortlichen Insekten sind im März entweder noch gar nicht am Baum oder so gut geschützt, dass sie überhaupt nicht bekämpft werden können. Gegen Maden in den Früchten hilt heutzutage nur das Auflegen von Insektenschutznetzen ab ca. Ende Mai. Infos dazu finden Sie hier. Auch gegen die relevanten Pilzkrankheiten ist ein pauschaler Einsatz von Fungiziden vor oder zum Austrieb nicht sinnvoll, meistens sogar wirkungslos.

Lehnen Sie sich also jetzt im März getrost zurück und lassen Sie Ihre Spritze im Schuppen! Erst zur gezielten und nützlingsschonenden Bekämpfung der Blattläuse im Mai werden Sie sie brauchen – aber darüber informieren wir Sie im Lauf des Jahres. Eine Ausnahme bildet die Bekämpfung der Birnenpockenmilbe – darüber lesen Sie in einem anderen News-Beitrag mehr. Manchmal kann auch der Einsatz von Paraffinöl-Präparaten zur Bekämpfung von Spinnmilbeneiern sinnvoll sein. Wenn Sie hierüber mehr erfahren möchten, verweisen wir Sie auf die informative Broschüre „Umwelt- und sachgerechter Pflanzenschutz im Haus und Kleingarten 2019“. Sie wird vom LTZ Augustenberg herausgegeben und steht kostenfrei zum Download zur Verfügung.


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