15.09.2019
Die Witterung und ihre Auswirkungen auf den Obstbau

Spätfrost, kühler Mai, heißer Juli und August, Abkühlung im September - die Witterung war in diesem Jahr sehr abwechslungsreich...

Wetterdaten Bayerisches Obstzentrum
Wetterdaten Bayerisches Obstzentrum

Der Mai begann mit Spätfrost, der gebietsweise keine, gebietsweise massive Ernteausfälle verursachte. Am Bayerischen Obstzentrum litten Birnen und Kirschen vergleichsweise wenig, Zwetschen und Äpfel stark unter dem Spätfrost vom 07. Mai. Die Blüte war zu diesem Zeiptunkt längst vorüber, die jungen Früchte sind aber mindestens so empfindlich gegenüber Spätfrösten: Wenn die Samenanlagen, die sich im Inneren der Frucht entwickeln, absterben, wird in den meisten Fällen auch die junge Frucht vom Baum abgestoßen.
Der Mai war im großen und ganzen kühl und regnerisch. Blattläuse fanden ideale Bedingungen, sich zu vermehren. Vermutlich war die heiß-trockene Witterung des Vorjahres auch dafür verantwortlich, dass der Befallsdruck im heurigen Jahr sehr hoch war. Bei Johannisbeeren trat die Johannisbeerblasenlaus in bislang kaum bekanntem Ausmaß auf. Die meist rötlich verfärbten, blasenartigen Erhebungen auf den Johannisbeerblättern erregen aber beim Hobbygärtner mehr Angst, als sie der Pflanze tatsächlich zufügen. Schlimmer sind die Blattläuse, den ein massiver Befall führt dazu, dass die Triebspitzen nicht mehr weiterwachsen. Es bilden sich dann zu wenige Blätter aus, die Photosynthese betreiben können, was den Baum nachhaltig schwächt und die Fruchtqualität bedeutend mindert. Deshalb die die Bekämpfung der Blattläuse mit die wichtigste Kulturmaßnahme im Obstgarten.

Auf die kühl-feuchte Witterung folgten auf einen Schlag wenige Tage mit starker Sonneneinstrahlung und Hitze bei Temperaturen bis gut 30 °C (im Diagramm mit (1) gekennzeichnet). Die in der kühl-feuchten Phase herangewachsenen Blätter waren hierzu zu wenig abgehärtet, u. a. weil die schützende Wachsschicht (Cuticula) nur sehr dünn ausgeprägt war und Schutzsubstanzen fehlten, die zu hohe Sonneneinstrahlung unschädlich machen können. Manchen frisch gepflanzten Bäumen und Sträuchern war das etwas zu viel: Die Blätter an den Spitzen der jungen Triebe verbräunten, mitunter hörten die Triebe auch auf, neue Blätter zu bilden. Bei frisch gepflanzten Felsenbirnen war das sehr häufig der Fall. Diese Erscheinungen waren keine Folge von zu hoher oder unterlassener Düngung, sondern rein witterungsbedingt und damit auch nicht vermeidbar. Die Schäden sind aber überschaubar: Im kommenden Frühjahr werden die Pflanzen ganz normal durchtreiben.
Vereinzelt gab es auch Schäden durch Fruchtfall bei den Zwetschen: Mitte Juni sank die Fruchtoberfläche bei einigen Früchten stellenweise ein (s. Photo nebenan). Wenige Wochen später fielen diese Früchte ab. Die genaue Ursache für diese Erscheinung ist unklar, es ist aber wahrscheinlich, dass sie in Zusammenhang steht mit dem abrupten Einsetzen heißer nach einer Phase kühler Witterung.

Deformationen an Zwetschenfrüchten, die zum Fruchtfall führen
Deformationen an Zwetschenfrüchten, die zum Fruchtfall führen

Mitte Juni ließen ausgiebige Niederschläge die früh reifenden Kirschen platzen, ehe Ende des Monats die erste Hitzewelle des Jahres mit Tageshöchsttemperaturen von mehr als 35 °C hereinbrach (in der Graphik: (2)). Zwei Wochen mit kühleren Temperaturen trennten diese erste von der deutlich längeren zweiten Hitzeperiode (in der Graphik (3), die von Ende Juli bis Mitte August anhielt. Nun gingen die Wasservorräte endgültig zur Neige, und eine regelmäßige Bewässerung war erforderlich, um das Fruchtwachstum der Obstgehölze zu gewährleisten.
N. B.: Im Süden Deutschlands war die Trockenheit nur mäßig ausgeprägt. Viel schlimmer waren u. a. weite Bereiche Thüringens, Sachsen-Anhalts und Sachsens von der Trockenheit gezeichnet. Hier verdorrte im Juli die Grasnarbe, und die Ackerkulturen litten in kaum bekanntem Ausmaß an der Dürre.

Dürre lässt die Obstbäume leiden.
Dürre lässt die Obstbäume leiden.

Die Hitzewelle im August wurde von mäßigeren Temperaturen abgelöst, hin und wieder fiel auch Regen. Diese Bedinungen sind ideal für die Entwicklung der Kirschessigfliege, die sich in kurzer Zeit massiv vermehrte und Beeren- und Steinobstfrüchte befiel. Brombeeren, Himbeeren, Tafeltrauben, Holunderbeeren, Zwetschen, Pflaumen, Renekloden – die Liste der befallenen Pflanzen ist lang und hier noch lange nicht vollständig. Der Problematik der Kirschessigfliege haben wir eine eigene Kurznachricht gewidmet. In Kürze: Nur das Auflegen von Schutznetzen kann den Befall im Garten verhindern. Das funktionierte auch in diesem Jahr wieder hervorragend.

Made der Kirschessigfliege
Made der Kirschessigfliege

Anfang September machte der Sommer eine Pause (Graphik: (4)). Eine knappe Woche lang war es regnerisch und kühl. Auf die letzten kalten Nächte folgten dann sonnige Tage, und diese Konstellation begünstigt die Farbentwicklung auf den Apfelfrüchten: Quasi über Nacht legten die bislang grünen oder fahlroten Apfelfrüchte einen dunkelroten Mantel an. Inzwischen herrscht wieder spätsommerlich-warme Witterung.


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