05.05.2021
Die Witterung und ihre Auswirkungen auf Obstbäume

Das Frühjahr 2021 bringt für den Obstbauern eine Fülle von Herausforderungen mit sich. Vielfach bedrohen Spätfröste die Blütenknospen, Blüten und jungen Früchte. Welche Konsequenzen sich aus dem heurigen Witterungsverlauf für den Obstbau ergeben, lesen Sie hier.

Temperaturverlauf und Niederschlag am Bayerischen Obstzentrum
Temperaturverlauf und Niederschlag am Bayerischen Obstzentrum

Anders als im Winter 2019/20 blieb es im Winter 2020/21 durchgehend kühl. Mitte Februar kam es – relativ spät – zu einer Dauerfrostperiode mit Tiefsttemperaturen knapp über -20 °C. Da sich die Obstgehölze noch in der Ruhephase befanden, entstanden kaum Schäden an den sich bis dahin bereits relativ weit ausdifferenzierten Blütenanlagen in den zu diesem Zeitpunkt natürlich noch geschlossenen Knospen. (Im Südwesten Deutschlands, in denen vor der Kältewelle bereits höhere Temperaturen herrschten, kam es mitunter auch durch die Februarkälte bereits zu Schäden.) Die Kälteperiode wurde Ende Februar von einer ungewöhnlich warmen Witterung abgelöst. Der Austrieb kam in dieser Phase rasch voran: Die Blütenknospen schwollen rasant an, bei Pfirsichen spreizten sich die Knospenschuppen bereits ab. Bei Birnen begann der Zeitraum, während dessen die Birnenpockenmilbe erstmals mit Netzschwefel bekämpft werden kann. Diese frühlingshaft warme Periode wurde Anfang März abrupt von einer spätwinterlichen Kältephase abgelöst, in der die Nachttemperaturen auf knapp -10 °C sanken. In dieser Phase wurden die Blütenanlagen bei vielen Süßkirschen, aber auch bei manchen Birnensorten stark geschädigt.  Bei einigen Zwetschgensorten, wie z. B. ‘Cacaks Schöne’, erfroren gebietsweise 95% der Blütenknospen. Diese trieben zur Blüte gar nicht mehr aus, sondern wurden vom Baum abgestoßen. Ebenso war dies bei den Aprikosen der Fall.

Praxistipp: Obstart und -sorte richtig wählen!

Praxistipp: Bei manchen Kirschsorten wie ‘Kordia’ und ‘Lapins’ erfroren die Samenanlage und der Griffel vielerorts vollständig. Andere Sorten wie ‘Valeska’ oder ‘Vic’ wurden deutlich weniger geschädigt. Hier zeigt sich, dass die Sortenwahl einen großen Einfluss auf die Ertragsstabilität haben kann. Unsere Empfehlung ist, bei der Sortenwahl möglichst immer einige Sorten, die robust gegenüber Kälteeinflüssen sind, mit auszuwählen. Selbst wenn diese vielleicht gewisse Nachteile wie eine geringere Fruchtgröße mitbringen, sichern sie doch in Jahren mit besonderen Witterungsereignissen die Ernte. Kirschsorten wie ‘Kordia’ sind geschmacklich natürlich exzellent und kaum zu übertreffen, daher sollten sie auch nicht fehlen. Die Mischung macht’s. Auf manche Obstarten wie die Aprikose sollte man getrost verzichten, denn es ist inzwischen die Regel, dass bei dieser Obstart entweder die Blütenknospen oder die Blüten erfrieren. Alternativ empfehlen wir ’Baya® Aurelia’, die flächendeckend ohne größere Frostschäden durch das Frühjahr gekommen ist.

Birnenblüte im Eismantel nach der Frostschutzbewässerung
Birnenblüte im Eismantel nach der Frostschutzbewässerung
Frostschutzberegnung: vereiste Obstbäume am Morgen nach der Frostschutzberegnung
Frostschutzberegnung: vereiste Obstbäume am Morgen nach der Frostschutzberegnung

Der März war im weiteren Verlauf nachts kühl und tagsüber moderat warm, die Entwicklung der Blüten kam nur langsam voran. Der Einbruch polarer Kaltluft am Ostermontag Abend leitete die erste Kältewelle ein. Im Rheingraben, in dem zu dieser Zeit die Zwetschgen und Kirschen in Vollblüte standen, fiel gegen Abend Schneeregen. In der Nacht zum Dienstag gefror dieses Wasser und mit ihm die Blütenbüschel, die der Eisregen bedeckte. Die Temperaturen sanken auf -4 °C. In dieser Nacht erfroren die Blüten und jungen Früchte beim Steinobst auf hunderten Hektar in den Frühgebieten Südwestdeutschlands. Im Süden und Südwesten wie auch im Norden war die Entwicklung des Steinobst weiter zurück, so dass weniger Schäden entstanden, hinzu kam, dass die Kaltfront gegen Südosten erst später am Abend eintraf und die Temperaturen nicht so stark absanken, weil der Himmel nicht aufklarte. Dort war man mit dem blauen Auge davongekommen. Es folgten mehrere Nächte mit Frost. Nach einem kurzen Intermezzo mit sehr warmer Witterung, die die Entwicklung der Blüten rasch forschreiten ließ, folgt in der darauffolgenden Woche ein erneuter Kaltlufteinbruch mit Nachtfrösten. Hier entstanden in weiteren Regionen große Schäden, da viele Blütenknospen beim Steinobst erfroren. Nach wenigen frostfreien Nächten kam es Ende April neuerlich zu Schäden durch nächtlichen Frost.

Praxistipp: Aktiver Frostschutz!

Praxistipp: Einströmender polarer Kaltluft kann weder der Obstbauer noch der Hobbygärtner wirksam etwas entgegensetzen. In diesen Nächten, in denen meist auch relativ starker Wind weht, ist weder eine Frostschutzberegnung noch eine Wärmezufuhr über Wärmequellen wie Paraffinkerzen wirksam. Einfacher ist es bei Strahlungsfrösten: Hier sinkt nachts bei sternenklarem Himmel die Temperatur stark ab, weil die vom Boden ausgehende Wärmestrahlung nicht von einer Wolkendecke reflektiert wird. Dadurch sinkt die Oberflächentemperatur der Pflanzen bis zum Sonnenaufgang kontinuierlich ab. Es ist mitunter sogar möglich, dass die Lufttemperatur etwas über dem Gefrierpunkt liegt, die Blätter und Blüten aber gefrieren.
Gegen diese Form des Frosts hilft es im Garten, die Bäume/Sträucher mit einer Folie, einer Decke oder einem Vlies über Nacht abzudecken. Der Stoff muss aber wie ein Zelt am Boden befestigt werden und darf keinesfalls am Stamm zusammengebunden werden. Die „Heizung“ ist nämlich der Boden, der Wärme in Form von Strahlung abgibt, und diese soll unter der Decke gespeichert werden. Am Vormittag müssen die Auflagen abgenommen werden, damit es darunter nicht zu warm wird und die Entwicklung der Knospen nicht extra vorangetrieben wird. Außerdem müssen die Bienen ungehinderten Zugang zu zu den Blüten bekommen.

Zwetschenblüten mit und ohne Frostgeschädigte Griffel
Zwetschenblüten mit und ohne Frostgeschädigte Griffel

Nicht überall sind die Verhältnisse für eine gute Bestäubung gut. Bei Temperaturen unter 12 °C und/oder starkem Wind fliegt die Honigbiene kaum. Bie tiefen Temperaturen sind Hummeln und Wildbienen oft die einzigen Bestäuberinsekten, die nennenswert zur Bestäubung und damit zur Sicherung des Fruchtansatzes beitrage. Es bleibt also abzuwarten, wie viele Blüten sich zu Früchten entwickeln werden.


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