01.11.2020
Indian Summer im Obstgarten: Das Geheimnis der wunderschönen Herbstfärbung

Bezaubernd schöne Herbstfärbung gibt es auch im heimischen Garten, da braucht es gar keine Reise nach Nordamerika: Ihren Indian Summer können Sie auch erleben, wenn Sie jetzt in Ihren Obstgarten gehen. Wir haben ein paar bezaubernde Eindrücke für Sie eingefangen, die Sie nachstehend anschauen können.

Warum sind die Blätter der Bäume jetzt im Herbst aber so schön gefärbt?
Eines vorweg: Die Pflanzen bauen jetzt im Herbst kurz vor dem Blattfall nicht extra Farbstoffe auf, um ihre Umgebung in Staunen zu versetzen. Vielmehr ist es so, dass die meisten Farbstoffe, die wir jetzt als besonders schön empfinden, schon im Sommer im Blatt vorhanden waren. Nur werden sie erst jetzt für unser Auge sichtbar. Das liegt daran, dass die Pflanze sich auf den Blattfall vorbereitet: Fällt das Blatt ab, ist es mitsamt der chemischen Bestandteile für den Baum nicht mehr direkt nutzbar. Um Ressourcen zu sparen, verlagert die Pflanze möglichst viele chemische Baustoffe vom Blatt in Bereiche der Pflanze, die überwintern. Eine derartige Speicherfunktion übernehmen bei Gehölzen Wurzeln, Stamm und Äste.
Hauptsächlich werden Proteine (Eiweiße) und Aminosäuren verlagert, aber auch Nährionen, die über das sogenannte Phloem abtransportiert werden können. Viele Proteine müssen vor dem Transport erst einmal in kleinere Einheiten abgebaut werden, um transportfähig zu werden. Der Photosyntheseapparat besteht hauptsächlich aus Eiweißen und nimmt einen beträchtlichen Anteil am Proteingehalt des Blattes ein. Verständlich also, dass auch diese Proteine “recycelt” werden. Dazu muss aber das Chlorophyll inaktiviert werden. Das geschieht, indem es enzymatisch gespalten wird. So schützt sich die Zelle davor, dass das Chlorophyll weiterhin Lichtenergie einfängt, die eingefangene Energie aber nicht mehr für die Photosynthese genutzt werden kann, weil die dazu notwendigen Proteine abgebaut worden sind. Der Verlust an grünem Farbstoff im Herbst ist also Teil der systematischen Stilllegung des Photosyntheseapparates, um dessen “wiederverwertbare Bestandteile” zu recyceln. Ein einfacher Abtransport des Chlorophylls aus dem Blatt – wie es häufig dargestellt wird – findet im Herbst nicht statt.

Herbstlaub bei der Birne
Herbstlaub bei der Birne

Im Sommer überlagert das dominante Chlorophyll die anderen Farbstoffe, die im Blatt ebenfalls vorhanden sind. Erst im Herbst, wenn der Chlorophyllgehalt der Blattes sinkt, werden sie für das menschliche Auge sichtbar. Zu diesen Farbstoffen zählen die roten Anthocyane und die gelben Carotinoide. Letztere spielen z. B. eine wichtige Rolle bei der Photosynthese als sogenannte akzessorische Blattpigmente. Sie tragen dazu bei, dass Lichtenergie von Wellenlängen, die Chlorophyll nicht absorbieren kann, eingefangen und ans Chlorophyll weitergeleitet wird. Manche Anthocyane werden im Herbst sogar extra gebildet, um oxidativen Stress im Blatt zu vermeiden, der auftreten kann, wenn der Chlorophyllgehalt mehr und mehr abnimmt. Auch Carotinoide werden schließlich zumindest teilweise abgebaut. Kurz vor oder beim Blattfall löst sich die innere Struktur der Zellen, aus denen das Blatt besteht, schließlich mehr und mehr auf, und viele weitere chemische Reaktionen (u. a. mit Phenolen) finden statt, die dann braune und schwarze Farbtöne ergeben.
Sie sehen: Der Blattfall ist – wie so vieles in der Natur – ein geplanter und notwendiger Prozess. Als Gärtner sollten wir der Natur auch hier ihren Lauf lassen: Schneiden Sie beblätterte Pflanzenteile von Gehölzen nicht einfach weg, lassen Sie die Pflanzen erst die darin befindlichen Ressourcen einholen. Hierzu aber noch mehr in einem anderen Teil der News.

Süßkirsche im Herbstlaub
Süßkirsche im Herbstlaub
Herbstlaub Apfel
Herbstlaub Apfel

Auch Apfelbäume (hier rotfleischige) können eine wunderbare Herbstfäbrung entwickeln.


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