03.03.2019
Muss man Obstbäume schon im Frühjahr gießen?

Der Jahrhundersommer 2018 mit seinen hohen Temperaturen und den im Allgemeinen deutlich zu geringen Niederschlägen ist uns noch in deutlicher Erinnerung. 2018 regnete es im Frühjahr bereits kaum. Ist es notwendig und sinnvoll, Obstbäume bereits im Frühjahr zu bewässern?

Wie so oft gibt es auch auf diese Frage keine einfache Antwort. Überlegen wir zunächst einmal, wann Obstbäume am dringendsten Wasser benötigen:
Wasser ist ein Hauptbestandteil der Pflanzen und das wichtigte Transportmedium der Pflanze. Zwei weitgehend voneinander getrennte Leitungs- und Transportsysteme, das Xylem und das Phloem, gibt es im Pflanzenreich. Bei Bäumen bilden die jüngsten Schichten des Holzkörpers das Xylem. Darin wird Wasser aus den Haarwurzeln hin zu den Orten der Transpiration (hauptsächlich Blätter, aber auch junge Früchte und junge Triebe) geleitet. Mit enthalten sind die Nährsalze, die die Pflanze zum Wachstum braucht. Sie nimmt sie aus der Bodenlösung auf. Über die Düngung können wir Gärtner in gewissem Maße regulieren, wie viele Nährsalze in der Bodenlösung verfügbar sind. Über das Phloem transportiert die Pflanze pflanzliche Hormone, Energieträger (meist bestimmte Zuckerverbindungen) und Baustoffe. Manche Nährsalze können über das Phloem innerhalb der Pflanze verlagert werden. Immer sind diese Stoffe in Wasser gelöst.

Wasser
Wasser

Fehlt es der Pflanze an Wasser, wird sie zunächst versuchen, die Verdunstung an der Oberfläche zu verringern, die sog. Transpiration. Z. B. kann die Pflanze die Spaltöffnungen schließen. Zwangsläufig nimmt sie dann weniger Nährsalze aus dem Boden auf. Das kann so weit gehen, dass die Verfügbarkeit einzelner Nährsalze in der Pflanze so eingeschränkt ist, dass das Pflanzenwachstum stockt.
Das äußerst sich in zweierleit Hinsicht: Zum einen teilen sich die Zellen langsamer, zum anderen strecken sich die jungen, eben gebildeten Zellen nicht im üblichen Maß. Umgekehrt kann man sagen: Für ein optimales Wachstum braucht die Pflanze Wasser, damit sich die Zellen in ausreichender Zahl und Geschwindigkeit teilen und strecken können und genügend Nährsalze aufgenommen werden können.

Nun ist es wichtig zu wissen, dass gleich nach der Blüte bei den meisten Obstgehölzen eine besonders wichtige Phase der Fruchtentwicklung beginnt: Das Wachstum durch Zellteilung. Ist die Zellteilungsrate in dieser Zeit zu gering, bilden sich weniger Zellen, die die Frucht ausmachen. Dann bleiben die Früchte meistens kleiner. Wird es im Sommer aber sehr feucht, können sich die wenigen vorhandenen Zellen in besonderem Maß strecken. Dann bleibt die Frucht äußerlich nicht kleiner als sonst. Weil die Zellen aber ungewöhnlich groß sind, sind die Früchte mitunter weniger fest und knackig, auch ihre Haltbarkeit kann eingeschränkt sein.

Was ist also zu tun?
Es bleibt also festzuhalten, dass auch schon im Frühjahr, beginnend in der Blüte, die Obstbäume ausreichend mit Wasser versorgt werden müssen. Ist der Boden tiefgründig und kommt er mit Wasser gesättigt aus dem Winter („Winterfeuchte“), ist es selten erforderlich, vor Ende Mai zu wässern. Auf flachgründigen Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität, wie wir sie z. B. in der Münchner Schotterebene verbreitet vorfinden, kann er aber dringend erforderlich sein, schon zur und nach der Blüte zu gießen. Auch über Tiefgaragen ist die Humusauflage oft gering.
Wenn Sie wässern, ist es besser, im Abstand von mehreren Tagen größere Mengen zu gießen, als täglich nur die Bodenoberfläche zu benetzen. Der Boden sollte mindestens bis in 25 cm. Tiefe durchfeuchtet werden. Dann ist der Wasservorrat im Boden groß genug für die Pflanze, auch etliche trocken-heiße Tage zu überstehen, ohne dass das Pflanzenwachstum beeinträchtigt ist.

Ein gut sechswöchiger Zeitraum ab der Blüte ist bei den meisten unserer Obstgehölze entscheidend für eine gute Fruchtentwicklung. Wassermangel (aber auch Wasserüberschuss) in dieser Zeit beeinträchtigt das Zellteilungswachstum der Früchte. Deshalb ist es wichtig, in dieser Zeit bedarfsgerecht zu wässern. Dann bilden sich auch ausreichend viele Blätter aus, die der Baum für die Versorgung der wachsenden Früchte braucht.
Im Hochsommer ab Juli ist es zwar ebenfalls erforderlich, bei Bedarf zu wässern. Die heimischen Obstgehölze sind aber erstaunlich anpassungsfähig gegenüber Trockenheit.
Was vermieden werden sollte, ist, im Frühjahr die Bäume zu trocken zu halten und dann erst im Hochsommer mit der Bewässerungs zu beginnen. Dann bilden die Bäume nämlich oftmals im Hochsommer neue Triebe, die bis in den Herbst hinein wachsen. An diesen jungen Trieben und ihren Blättern können sich Pilzkrankheiten ansiedeln und überdauern. Im Idealfall bilden unsere Obstgehölzen nämlich nur bis etwa Mitte Juni neue Triebe und Blätter, danach sollten keine neuen Blätter mehr zuwachsen. Die im Frühjahr gebildete Blattfläche reicht aus, um den Baum die ganze Vegetationsperiode mit Kohlenhydraten aus der Photosynthese zu versorgen. Also gilt: Versuchen wir, die Obstbäume im Frühjahr durch optimale Düngung und Wasserzufuhr gut wachsen zu lassen, im Sommer müssen wir dann nur Trockenstress mindern.


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