02.10.2022
Das Bayerische Obstzentrum ist jetzt ein Öko-Betrieb!

Seit 2021 wirtschaftet das Bayerische Obstzentrum nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus. Seit Herbst 2022 sind die meisten Obstgehölze, die verkauft werden, zertifizierte Biopflanzen. Bei den Früchten dauert es noch ein bisschen: Lange drei Jahre währt im Obstbau die Umstellungsphase. Lesen Sie, warum wir diese neuen Wege gehen und was sich geändert hat!

Der Zukunft verpflichtet – Landwirtschaft im Einklang mit der Natur

Seit zwei Vegetationsperioden bestellt das Bayerische Obstzentrum seine Flächen nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Im Herbst 2022 können erstmals viele Obstgehölze als biozertifiziert verkauft werden.
Die Umstellung auf den ökologischen Anbau ist für uns keine Publicity-Maßnahme. Bioanbau ist auch deutlich mehr als der Verzicht auf synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel. Ökologische Produktion bedeutet, mit möglichst geringen Eingriffen in die Natur und stets langfristig denkend Nahrungsmittel zu erzeugen. Strenge Regeln, die festlagen, welche Maßnahmen im Ökoanbau nicht gestattet sind, braucht es, um Klarheit und Einheitlichkeit zu schaffen. Letztlich geht es aber darum, Nutzpflanzen in einer Umgebung wachsen zu lassen, die den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erst gar nicht mehr nötig machen. Diese Systeme zu entwickeln, ist eine spannende Aufgabe, der wir uns gerne widmen und unseren Sachverstand und unsere Erfahrung im Obstbau dafür einsetzen.

EU-Biologo mit Kontrollstellennummer
EU-Biologo mit Kontrollstellennummer

Wichtige Elemente des Ökoanbaus sind folgende:

1. Robuste Pflanzen

Die Pflanzen müssen von ihrer genetischen Ausstattung her robust sein. Das bedeutet, dass Sorten, die empfindlich für bestimmte Krankheiten sind, nicht angebaut werden. Weil das Bayerischen Obstzentrum genetische Ressourcen in großem Umfang erhält und neue Sorten züchtet, sehen wir es als unsere Aufgabe an, die robustesten zu selektieren und zu verwenden.

Die von uns gezüchtete Apfelsorte ‘Freiherr von Hallberg®’ z. B. bekommt kaum Schorf und Mehltau und ist sehr tolerant gegen die Marssonina-Blattfallkrankheit. Dabei basiert diese Widerstandskraft nicht auf monogenen Resistenzen, weshalb man davon ausgehen kann, dass diese dauerhaft ist. Das Photo zeigt einen Baum der robusten Apfelsorte ‘Freiherr von Hallberg®’ im Fruchtbehang.

Einsaaten in Junganlagen des Bayerischen Obstzentrums
Einsaaten in Junganlagen des Bayerischen Obstzentrums

2. Optimale Bedingungen für die Pflanzen schaffen

Je besser die Bedingungen für die Pflanze sind, desto weniger empfindlich wird sie sein für biotische und abiotische Schadeinflüsse sein. Biotische Faktoren sind z. B. sog. Krankheiten, die dadurch entstehend, dass z. B. bestimmte Bakterien oder Pilze die Pflanze in einem Ausmaß besiedeln, dass sie mit Schadsymptomen reagiert (z. B. dem Absterben von äußere Zellschichten). Abiotische Faktoren können Trockenheit, Hitze und hohe UV-Einstrahlung sein.

Beispielsweise haben wir in diesem Jahr alle unsere Gewächshäuser mit feinen Nebeldüsen ausgestattet. Wird es in den Gewächshäusern zu heiß, werden die Blätter in bestimmten Intervallen befeuchtet. So steigt die Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus, und die Blätter der Bäume werden gekühlt. Dadurch sind unsere Pflanzen viel weniger anfällig für Spinnmilben, die sonst im Gewächshaus ein großes Problem darstellen. Eines noch nebenbei: Weil unser Wasser recht kalkhaltig ist, bleibt auf den älteren Blättern beim Verdunsten des Wassers ein dünne Kalkschicht zurück. Diese wiederum schützt die Blätter zusätzlich vor Überhitzung. Allerdings haben die Jungbäume dann auch einen weißen Überzug auf einigen Blättern. Das ist kein Mehltau, sondern harmloser Kalk.

Das nebenstehende Bild zeigt die Blüte der Rizinus-Pflanze. Sie wächst seit diesem Jahr zusammem mit den Obstgehölzen im Gewächshaus. Ihre zahlreichen Blüten bieten Raubmilben, die wir als Nützlinge im Gewächshaus hegen, ideale Nahrung. Die Raubmilben wiederum helfen dabei, die wenigen verbliebenen Spinnmilben in Schach zu halten.

Rizinus-Blüte
Rizinus-Blüte

3. Dem Boden große Aufmerksamkeit schenken

Ein gesunder Boden ist die Grundvoraussetzung für das Gedeihen der Pflanze. Deswegen ist es im Ökoanbau selbstverständlich, den Boden als komplexes System im Übergangsbereich aus atmosphärischer Luft, Wasser und Gestein zu sehen, das von einer Vielzahl von Lebewesen besiedelt wird, die ihrerseits wieder in Wechselwirkung stehen.

Nebenstehendes Bild zeigt eine Aufnahme aus unserer jungen Holunder-Anlage. Eine Einsaat aus vielen verschiedenen Pflanzen, darunter verschiedene Leguminosen und Sonnenblumen, hilft dabei, im Boden vorkommende Mineralstoffe aufzuschließen, die Bodenstruktur zu verbessern, Luftstickstoff zu binden, den Boden mit organischer Substanz zu versorgen und nicht zuletzt den Lebensraum für Nützlinge zu verbessern.

Einsaaten in Junganlagen
Einsaaten in Junganlagen

Bemüht man sich, diese Grundsätze zu verstehen, und passt man die gärtnerischen Kulturmaßnahmen entsprechend an, ergibt es sich von selbst, dass z. B.

  • synthetische Pflanzenschutzmittel oder mit hohem Energieaufwand hergestellter mineralischer Stickstoff nicht eingesetzt werden,
  • der Boden so bewirtschaftet wird, dass er einen beträchlichen Anteil an organischer Substanz aufweist. Das bringt es mit sich, dass der Boden deutlich mehr Wasser schnell aufnehmen und relativ lange speichern kann. So wird weniger Boden abgetragen, der Boden kann bei Starkregenereignissen als Puffer wirken und Überschwemmungen vorbeugen, und in Trockenphasen steht mehr Wasser für die Pflanzen zur Verfügung.

Blühende Einsaat zwischen den Obstbaumreihen
Blühende Einsaat zwischen den Obstbaumreihen

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