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An meinem Apfelbaum sehe ich im unteren Stammbereich wurmförmige Auswüchse. Was ist denn das?

Pflanzen haben die Fähigkeit, aus Sprossen Wurzeln zu bilden. Das nennt man Adventivwurzelbildung. (Die Vermehrung von Pflanzen über Stecklinge ist daduch überhaupt erst möglich.) Auch viele Unterlagen von Obstbäumen werden vegetativ vermehrt. Sie wurden über die Jahrhunderte von den Baumschulern ausgelesen auch auf das Merkmal hin, Adventivwurzeln bilden zu können. Diese Typen konnte man in der Baumschule leichter vermehren.
Die meist knubbelförmigen Ausbuchtungen mit manchmal kurzen, mitunter auch etwas längeren „fadenartigen“ Auswüchsen sind nicht anderes als Stellen der Sprosses, an denen er versucht, neue Wurzeln zu bilden. Da sie aber nicht unterhalb der Bodenoberfläche liegen, vertrocknen die Wurzeln mit der Zeit. Meist liegen diese Stellen unterhalb der Veredlungsstelle, gelegentlich finden sich auch darüber ein paar. Das ist völlig normal. Sie brauchen nichts zu unternehmen.
Meist vertrocknen diese funktionslosen Wurzelansätze im Lauf der Jahre, wie man an einem der Bilder erkennen kann. Bitte schneiden Sie die Adventivwurzelansätze (manchmal im speziell vorliegenden Fall auch „Luftwurzeln“ genannt, nicht ab. Dadurch würde nur in Stammbasisbähe eine große Wunde entstehen, in die Krankheitserreger eindringen könnten.

Adventivwurzeln bei einem Jungbaum
Adventivwurzeln bei einem Jungbaum
Adventivwurzeln bei einem dreijährigen Baum
Adventivwurzeln bei einem dreijährigen Baum
Brauchen Obstbäume unbedingt einen Pfahl?

Ja. In den ersten Standjahren alle, auch Halb- und Hochstämme. Nach ca. 6 Jahren sind sie meist standfest. Kleinkronige Obstbäume brauchen zeitlebens einen Pfahl. Ihre Wurzeln sind nicht so weitreichend und stabil, dass sie den kleinen Baum, der sehr viele Früchte tragen kann, bei Sturm und Orkan fest im Boden verankern. Setzen Sie gleich bei der Pflanzung einen dauerhaften Pfahl. Am besten haben sich Robinienpfähle bewährt. Sie sind – auch nicht imprägniert – länger haltbar als Eichenpfähle. Nicht imprägnierte Kiefern- oder Fichtenpfähle faulen viel zu schnell ab. Dann gibt es keine Freude mehr mit den Obstbäumen: Sie fallen bei Sturm um und sind sterben mitunter ab.
Denken Sie bitte auch daran: Der beste Pfahl nutzt nichts, wenn der Baum nicht stabil angebunden ist. Stabil heißt nicht, dass der Stamm ganze eng am Pfahl anliegen muss. Der Baum soll nur nicht umfallen.´

Darf ich den Boden unter den Bäumen mit Rindenmulch abdecken?

Nein. Rindenmulch gehört nicht auf die Baumscheibe, Hackschnitzel schon gleich gar nicht. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Unter der Rindenmulchschicht fühlen sich Mäuse, auch Wühlmäuse, sehr wohl und bleiben oft unentdeckt. Sie können Wurzeln und den Stammgrund junger Bäume so schädigen, dass diese absterben.
  • Rindenmulch und Hackschnitzel besteht aus pflanzlichem Material, das von Mikroorganismen abgebaut wird. Wärme und Feuchtigkeit fördern diesen Prozess. Dabei wird zunächst dem Boden, in dem die Bäume wurzeln, Stickstoff entzogen, und der Baum kann daher unter Stickstoffmangel leiden. Mit fortschreitendem Abbauprozess werden dann – oft innerhalb kurzer Zeit – große Mengen an Stickstoff freigesetzt. Im Sommer und Herbst brauchen Obstbäume aber gar nicht mehr so viel Stickstoff, wird er den Pflanzen trotzdem zur Verfügung gestellt, treiben sie spät im Jahr noch einmal junge Blätter. Das mindert die Frosthärte des Holzes, holzzerstörende Pilze wie der Erreger des Obstbaumkrebses haben dann leichtes Spiel bei der Infektion der Pflanzen. Auch können Pilzkrankheiten wie der Apfelschorf sich auf jungem Blattgewebe sehr leicht vermehren und den Infektionsdruck in der Anlage unnötig erhöhen.
    Die Baumscheibe kann man mit niedrig bleibenden Sommerblumen bewachsen lassen, oder man mulcht sie alle paar Wochen mit einer dünnen Schicht aus Rasenschnitt.

Mein Obstbaum bekommt nach der Pflanzung braune Blätter. Was kann ich tun?

[Vorbemerkung: Ein Quittenbaum wurde Ende April gekauft und dann in den Garten gepflanzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Baum schon ausgetrieben und viele Blätter entwickelt.]

Zu Ihrer Beruhigung: Es handelt sich nicht um eine parasitäre Erkrankung, sondern um eine physiologische Störung des pflanzlichen Stoffwechsels. Die Pflanze reagiert darauf mit dem Verbräunen eines gewissen Anteils der Blätter. Das ist ein Schutzmechanismus der Pflanze auf Stresssituationen. Diese könnte im vorliegenden Fall z. B. ausgelöst worden sein durch

  • relativ starken Wind,
  • Trockenstress (auch nur kurzzeitig, hier reichen schon ein paar Stunden) (hier auch noch eine Frage: Sofern der Topfballen bei der Pflanzung recht trocken war, haben Sie ihn vor dem Einpflanzen 10 min in einen Kübel Wasser gestellt? Es ist nämlich so, dass der Topfballen, wenn er einmal trocken ist, nach der Pflanzung such auch bei starken Wassergaben nur unzureichend vollsaugt. Zudem wäre es sehr hilfreich, wenn die Bäume einen festen Pfahl bekämen. Nur mit dem Bambusstab fixiert, kann sich der Wurzelballen bei Wind leicht hin- und herbewegen, was den Bodenschluss zwischen gewachsenem Boden und Topfballen vermindert. Dadurch gelangt viel weniger Wasser als sonst möglich aus dem umgebenden Erdreich in den Topfballen, und die Bildung von Faserwurzeln wird deutlich erschwert. Bitte beachten Sie hierzu unsere Ausführungen auf unserer Website unter https://www.obstzentrum.de/fachinformation-obstgehoelze/fachgerechte-pflanzung/ oder in der Broschüre „Obst für kleine Gärten“),
  • zu hohe Nährionenkontentration (wenn Kompost/organischer/mineralischer Dünger beispielsweise bei der Pflanzung in das Pflanzloch mit eingearbeitet wird, bei mineralischem Dünger auch durch zu hohe Mengen, die oberflächlich ausgebracht und durch Bewässerung in den Wurzelraum gelangen),
  • hohe Sonneneinstrahlung oder
  • Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln, z. B. Seifenlauge, insbesondere bei Applikation während des Tages bei Sonnenschein.

Es ist nun zu empfehlen, den Baum durchgehend feucht zu halten (ohne anhaltende Nässe im Wurzelraum zu erzeugen). Sollte zu viel gedüngt worden sein, müsste der Boden im Pflanzloch entweder ausgetauscht werden, zumindest müsste durch mehrmalige Überschussbewässerung die Konzentration der Nährionen erniedrigt werden (mindestens 5 hintereinanerfolgende Tage wenigstens 30 Liter pro Gabe).

Bei einer Pflanzung nach dem Austrieb treten Schädigungen wie im vorliegenden Fall deutlich häufiger auf als bei Pflanzung in der Vegetationsruhe. Durch den frühen Vegetationsbeginn in diesem Jahr haben wir derzeit schon den Entwicklungsstand von Anfang Juni eines Normaljahres.
Zudem möchte ich Sie darauf hinweisen, dass der Boden in einem Radius von mindestens 1 m um den Baumstamm frei von Grasbewuchs gehalten werden muss. Sie sollten ihre Baumscheibe noch etwas vergrößern.
Ihre Quitte wird sich nach einer Zeit des Etablierens auf dem neuen Standort nach menschlichem Ermessen normal weiterentwickeln. Die jetzt braunen Blätter werden nicht wieder ergrünen, evtl. fallen Sie vorzeitig ab. Ein Neuaustrieb wird bei feuchtkühler Witterung noch in diesem Jahr, bei trocken-heißer Witterung in der nächsten Vegetationsperiode erfolgen.

Warum kräuseln sich die Blätter meines Obstbaums?

In den meisten Fällen, weil Blattläuse die Blätter besiedelt haben. Sie kommen bei fast allen Obstarten vor. Nützlinge mindern den Befall. Schäden entstehen, weil Blattläuse pflanzliche Krankheitserreger wie Viren übertragen können und weil weniger Blätter als üblich gebildet werden. Am besten bekämpft man Blattläuse, indem man Nützlinge fördert und sehr früh, gleich bei den ersten gesichteten Blattläusen, eingreift. Das Spritzen von Seifenlauge muss erfolgen, ehe sich die Blätter einrollen, sonst erreicht man die Blattläuse nicht mehr. Sind die Blätter schon eingerollt, kann man mit Insektiziden wie z. B. einem Pyrethroid-haltigen Insektizid (z. B. Spruzit) auch auf der Blattunterseite befindliche Blattläuse erfassen. Findet man keine lebenden Blattläuse mehr in den zusammengerollten Blättern, hat man den Befall zu spät bemerkt und braucht keine Maßnahmen mehr einzuleiten.
Es gibt auch noch einige andere Gründe für das Einrollen der Blätter, z. B.:

  • insbesondere bei Blättern von Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen und Renekloden können winzige Rostmilben die Ursache sein. Die Schäden treten meist nur bei Jungbäumen auf, bei älteren Bäumen gibt es genügend Nützlinge, die die Rostmilbenpopulation dezimieren.
  • bei schwachem Befall mit Apfelmehltau rollen sich die Blätter so ein, dass die Blattunterseite nach außen zeigt. Entfernen Sie hier einfach die befallenen Blätter.

gekräuselte Blätter eines Apfeltriebs, verursacht durch Blattlausbefall
gekräuselte Blätter eines Apfeltriebs, verursacht durch Blattlausbefall