15.05.2022
Bodenpflege und Düngung im Frühjahr und Sommer

Soll die Baumscheibe unter der Baumkrone mit Rundenmulch abgedeckt werden? Darf Gras unter den Bäumen wachsen? Klare Antworten auf oft gestellte Fragen.

Perfekt für Baum und Augen: Baumscheibe unter Apfelspindel bewachsen mit kalifornischem Mohn
Perfekt für Baum und Augen: Baumscheibe unter Apfelspindel bewachsen mit kalifornischem Mohn

Die Obstbäume nehmen mit ihren Wurzeln neben Wasser auch Nährsalze und andere Stoffe aus dem Boden auf, die sie zum Wachsen von Trieben, Blätter und Früchten brauchen. Dabei vergessen wir oft, dass die Vorgänge im Boden hochkomplex sind. Der Boden ist Lebensraum für eine schier unüberschaubare Zahl an Bakterien, Pilzen, Pflanzen, Insekten und anderen Tieren. Sie stehen in engem Kontakt untereinander und mit den unbelebten Bestandteilen des Bodens (Tonminerale, Luft, Wasser, abgestorbenes organisches Material).
Pflanzen geben einen Teil der Photosyntheseprodukte in Form von Wurzelexsudaten aktiv an den Boden ab. Damit beeinflussen sie die mikrobielle Zusammensetzung an der Wurzeloberfläche und den umliegenden Bodenbereichen.
Als Gärtner sollten wir diese Prozesse bei Bedarf in die richtige Richtung lenken, aber auf keinen Fall störend eingreifen. Deshalb ist die richtige Bodenpflege und Düngung essentiell für ein gesundes Wachstum unserer Pflanzen.

Wann und viel viel soll gedüngt werden?

  • Sofern Bedarf besteht (hierüber gibt eine Bodenanalyse Auskunft), wird die erforderliche jährliche Düngermenge im Regelfall gesplittet auf eine Gabe im März (60%) und Ende Mai (40%). Bei dem von uns angebotenen Organischen Spezialdünger für Obst werden bei einem Apfelspindelbusch Ende Mai 80 g auf der Baumscheibe verteilt und flach eingearbeitet.
  • (Synthetisch-mineralischen Dünger empfehlen wir nicht mehr. Sein Einsatz vermindert in vielen Fällen die Entwicklung von Pilzen, die in Symbiose mit den Pflanzenwurzeln leben. Diese sind aber wichtig dafür, die im Boden vorhandenen Nährsalze und auch Wasser aus für Pflanzenwurzeln kaum zugänglichen Bereichenzu erschließen.)
  • Später im Jahr wird auf keinen Fall mehr mit Stickstoff gedüngt. Die Triebe der Obstbäume und Beerensträucher sollen nämlich ihr Wachstum bis Ende Juni abschließen. So können die Triebe gut verholzen, was für die Winterhärte wichtig ist, und weil im Spätjahr keine keine jungen Blätter und Triebe mehr vorhanden sind, können sich viele Pilzkrankheiten nicht mehr im Baum verbreiten. (Die meisten Pilze können nämlich ältere Blätter nicht mehr infizieren.)
organischer Spezialdünger für Obst
organischer Spezialdünger für Obst

Baumscheibe: Mulchen, freihalten oder zuwachsen lassen?

Rasen hat unter jungen Obstbäumen nichts verloren. Grasbewuchs steht in Konkurrenz zum Obstbaum. Wässern und düngen Sie, kommt das mehr dem Rasen als dem Obstbaum zugute. Deshalb soll bei jungen und bei kleinkronigen Obstbäumen (Spaliere und Spindelbüsche)kein Rasen unter der Baumkrone wachsen. (Nur bei Halb- und Hochstämmen kann die Baumscheibe nach etwa sechs Jahren mit Rasen zuwachsen.)
Im Idealfall begrünt man die Baumscheibe mit Frühjahrsblühern und danach „leichten“ (also wenig nährstoffbedürftigen, niedrig bleibenden) Sommerblumen, z. B. niedrig wachsender Tagetes, Kapuzinerkresse, Ringelblumen etc. Auch Erdbeeren oder kleinbleibendes Gemüse wie Kohlrabi, Radieschen, Zwiebeln oder Knoblauch können gut unter frisch gepflanzen Bäumen wachsen. (Nach ein paar Jahren ist für Gemüse zu wenig Licht unmittelbar in Stammnähe, aber in den ersten zwei bis drei Standjahren funktioniert das sehr gut.)

Tulpen und Narzissen im Baumstreifen
Tulpen und Narzissen im Baumstreifen
Wunderschön anzusehen und gut für die Obstbäume: Angepasste Unterpflanzung mit Fuchsschwanz und Tagetes auf dem Baumstreifen einer Spalierreihe
Wunderschön anzusehen und gut für die Obstbäume: Angepasste Unterpflanzung mit Fuchsschwanz und Tagetes auf dem Baumstreifen einer Spalierreihe

Rindenmulch? Auf keinen Fall!

Arbeit möchte man im Garten am liebsten keine haben. Deshalb wird die Baumscheibe von manchen Gärtnern liebend gerne mit Rindenmulch, manchmal so gar mit Hackschnitzeln abgedeckt. Ziel ist es, Unkrautbewuchs zu vermeiden und einen optisch schönen Eindruck im Garten zu hinterlassen, schließlich sollen der Nachbar und der Sonntagsbesuch staunen, wie ordentlich und aufgeräumt der Garten ist.

Dabei hat Rindenmulch gleich mehrere Nachteile:

  1. Unter ihm bleiben finden Wühlmäuse und Rötelmäuse einen idealen Lebensraum, und man erkennt den Befall nur schlecht. Die Tiere können die Wurzeln und die Stammbasis des Baums mitunter so schädigen, dass er abstirbt.
  2. Rindenmulch und in noch größerem Ausmaß Hackschnitzel sind organisches Material, das aus relativ viel Kohlenstoff und wenig Stickstoff besteht. Mikroorganismen werden nach dem Auflegen des Mulchmaterials beginnen, die organische Substanz abzubauen. Während dieser Zeit wird dem darunterliegenden Boden Stickstoff, den eigentlich der Obstbaum benötigen würde, in großen Mengen entzogen, bis er schließlich – sobald der Abbau weit vorangeschritten ist, wieder frei und damit pflanzenverfügbar wird. Im schlechtestmöglichen Fall wird Stickstoff in einer Zeit pflanzenverfügbar, in der der Baum eingentlich keine neuen Blätter mehr bilden soll (s. o.). Es kommt zum Neustrieb im Hoch- oder Spätsommer, was den Baum anfällig für u. a. Winterfrost, Obstbaumkrebs und Blutlaus macht. Sie sehen also: Rindenmulch in dicken Schichten hat unter dem Obstbaum mehr Nach- als Vorteile. In dünnen Schichten aufgetragen, wäre Rindenmulch vertretbar, dann hat der aufgelegte Mulch aber keine unkrautunterdrückende Wirkung mehr.
  3. Dünne Schichten von Rasenschnitt können zwischen Mai und August hingegen immer wieder aufgelegt werden. Im Herbst hört man damit auf, um die Baumscheibe im Winter frei zu halten, damit Mäuse keinen Unterschlupf finden.

Kurzum: Die für die Obstbäume beste Begrünung ist ein leichter Bewuchs auf der Baumscheibe oder dem Baumstreifen. Und der kann noch dazu sehr schön aussehen!


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