13.05.2019
Fruchtausdünnung: Überzählige Früchte entfernen

Sofern die örtlich aufgetretenen Spätfröste nicht zu viele Blüten oder junge Früchte geschädigt haben, hängen vielerorts zu viele junge Früchte am Baum. Hier steht nun eine wichtige Arbeit an – die Fruchtausdünnung. Wer Jahr für Jahr gut schmeckende Früchte von seinen Obstbäumen ernten möchte, muss Ende Mai überzählige Früchte von Hand entfernen. Diese Maßnahme wird „Fruchtausdünnung“ genannt und zählt zu den wichtigsten Pflegearbeiten im Obstgarten. Ihre Bedeuting kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nachstehend erfahren Sie, wie die Bäume der einzelnen Obstarten richtig ausgedünnt werden.

Äpfel und Birnen
Aus den Blütenknospen von Apfel- und Birnbäumen entwickeln sich bis zu zehn Einzelblüten. Pro Blütenbüschel bleiben mitunter drei bis fünf Früchte hängen. Bei der Fruchtausdünnung vereinzelt man die Früchte auf eine Frucht pro Blütenbüschel. Stets wird die größte und schönste stehen gelassen, die kleineren werden mit dem Fingernagel abgeknipst oder mit einer Schere abgeschnitten. Die Fruchtausdünnung muss vor dem 10. Juni erfolgen, am besten bis Ende Mai.

Fruchtausdünnung beim Apfel
Fruchtausdünnung beim Apfel

Hintergrund: Warum vor dem 10. Juni ausdünnen?
Enthscheidend für einen regelmäßigen Ertrag ist die Zahl der Blüten, die im Frühjahr am Baum aufblühen. Die Blütenknospen, aus denen sich die Blüten entwickeln, bilden sich nicht erst im Frühjahr, sondern wurden bereits im Vorjahr angelegt. Schon im Juni des Vorjahres fällt die Entscheidung, ob aus einer Knospe eine Blüten- oder Blattknospe für das Folgejahr wird. Entscheidend für einen regelmäßigen Ertrag ist also, im Juni die Entwicklung des Baums so zu begünstigen, dass sich für das Folgejahr ausreichend viele Blütenknospen bilden. Hier kommt nun die Fruchtausdünnung ins Spiel:
In den jungen Früchten, die sich nach der Befruchtung aus den Blüten entwickeln, wachsen Samen heran. Diese Samen bilden bestimmte pflanzliche Hormone (sog. Gibberelline). Diese werden über die junge Frucht und den Fruchtstiel in die umliegenden Triebe verlagert und verhindern, dass sich die Knospen, die sich dort parallel zur Fruchtenwticklung bilden, zu Blütenknospen für das Folgejahr entwickeln. Deshalb müssen bis spätestend Anfang Juni alle übezähligen Früchte vom Baum entfernt sein. So wird auch die Zahl der wachsenden Samen reduziert und damit die Konzentration der Hemmstoffe für die Blütenknospenbildung erniedrigt. Die Folge: Es bilden sich jedes Jahr viele Blütenknospen als Voraussetzung für einen regelmäßigen Ertrag.
Natürlich gibt es einen zweiten wichtigen Grund für die Ausdünnung: Nur, wenn nicht zu viele Früchte am Baum hängen, werden die Früchte groß, schmackhaft und haltbar. Bei Überbehang bleiben sie klein, unansehnlich und schmecken nicht, weil sie zu wenig Zucker eingelagert und nur wenig Aromastoffe gebildet haben.
Ausdünnung lohnt sich also allemal! Kleinkronige Bäume bieten auch hier einen entscheidenden Vorteil: Sie können die überzähligen Früchte vom Boden aus, ganz ohne Leiter – entfernen.

Was passiert, wenn man zu spät ausdünnt?
Hängen am Baum im Juni zu viele Früchte, wirft der Baum von sich aus einige Früchte ab. Dies wird als Junifruchtfall bezeichnet. (Wer vorher von Hand ausgedünnt hat, braucht sich keine Sorgen um den Junifruchtfall zu machen, denn der fällt dann weitgehend aus.) Ab dem Junifruchtfall hat eine Handausdünnung kaum mehr einen fördernden Einfluss auf die Blütenknospenbildung für das Folgejahr. Lediglich die Fruchtqualität im Jahr der Ausdünnung steigt, zumindest dann, wenn bis Mitte Juli ausgedünnt wurde.

Wie viele Früchte dürfen am Baum hängen bleiben?
Bei Spindelbüschen von Apfel- und Birnbäumen gilt folgende Faustregel:

  • 1. Standjahr (erste Vegetationsperiode): Insgesamt dürfen nur 2 Früchte hängen bleiben. Der Baum soll erst einmal viele Wurzeln und Triebe bilden und nicht durch sehr frühzeitigen Fruchtbehang geschwächt werden.
  • 2. Standjahr: 10-15 Früchte (ca. 3 kg)
  • 3. Standjahr: 50 Früchte (ca. 10 kg)
  • 4. Standjahr: 80 Früchte (ca. 15 kg)
  • ab dem 5. Standjahr: 100 bis 120 Früchte (ca. 20 kg)

Zum Bild rechts: Alternanz am Beispiel von Säulenäpfeln: Der erste und dritte Baum von links wurden im Vorjahr nicht ausgedünnt und tragen daher heuer keine Blüten. Anders beim zweiten und vierten Baum von links: Hier hat die Ausdünnung im Vorjahr bewirkt, dass er für das heurige Jahr genügend Blüten für einen guten Ertrag angelegt wurden.

Alternanz am Beispiel von Säulenäpfeln: Der erste und dritte Baum von links sind im Vorjahr nicht ausgedünnt worden und tragen daher heuer keine Blüten. Anders beim zweiten und vierten Baum von links
Alternanz am Beispiel von Säulenäpfeln: Der erste und dritte Baum von links sind im Vorjahr nicht ausgedünnt worden und tragen daher heuer keine Blüten. Anders beim zweiten und vierten Baum von links

Aprikosen und Pfirsiche
Auch auf Aprikosen- und Pfirsichbäumen können zu viele Früchte hängen. Vereinzeln Sie Aprikosen auf einen Abstand von 8 cm von Frucht zu Frucht. Bei Pfirsichen ist es ausreichend, wenn alle 15 cm eine Frucht hängt. So ernten Sie große, hoch aromatische Früchte, die ihresgleichen suchen.

Pflaumen und Zwetschen
Bei Pflaumen und Zwetschen hängen in diesem Jahr in vielen Gegenden aufgrund des Spätfrosts relativ wenige Früchte an den Bäumen. Gebietsweise ist aber Überbehang festzustellen. Bei großfrüchtigen Sorten wie ‘Haganta’ muss auf einen Abstand von 8 cm, bei kleinfrüchtigen auf einen Abstand von 5 cm von Frucht zu Frucht ausgedünnt werden.


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