02.10.2022
Leimringe anlegen – was bringt das?

Oft wird behauptet, Leimringe könnten den Befall mit der Obstmade verhindern. Warum das eine Mär ist - und wozu Leimringe nützlich sein können...

Bei vielen Gärtnern gehört es zum guten Ton, Anfang Oktober Leimringe am Stamm von Obstbäumen anzubringen. In sog. Fachzeitschriften und auf diversen Websites wird dieser Maßnahme nachgesagt, dass damit im Folgejahr der Befall mit Maden („Würmern“) in den Früchten von Äpfeln und Zwetschgen vermieden werden könne.

Leider ist dies grundfalsch. Apfel- und Pflaumenwickler, die die Maden in den genannten Früchten verursachen, sind nämlich Falter, bei denen Männchen und Weibchen gleichermaßen flugfähig sind. Sie sind nicht darauf angewiesen, sich über den Stamm vom Boden in die Baumkrone zu bewegen – sie fliegen einfach dorthin. Wie Sie madige Früchte vermeiden, können Sie hier nachlesen. Mit Leimringen ist gegen sie jedenfalls nicht anzukommen.

Leimring am Stamm eines Apfelbaums
Leimring am Stamm eines Apfelbaums

So wenig Leimringe gegen Apfel- und Pflaumenwickler ausrichten können, so effektiv sind sie gegen Schäden durch den Kleinen und Großen Frostspanner wirksam. Meist ist nur der Kleine Frostspanner ein Problem – und auch das nicht in allen Jahren und in allen Gegenden.

Ab dem Beginn des Austriebs fressen die Raupen des Frostspanners an Knospen, jungen Trieben, Blüten, jungen Früchten und Blättern. Besonders ärgerlich ist, dass die zunächst recht kleinen Räupchen oft nur Stempel und Staubbeutel in den Blüten abfressen, den Rest verschmähen sie. Natürlich kann sich aus derart angefressenen Blüten keine Frucht mehr entwickeln. Das Photo zeigt ein Frostspannerräupchen, das sich an einer Apfelblüte labt. In manchen Jahren kann der Befall so stark sein, dass kaum mehr Früchte am Baum hängen bleiben. Dies ist allerdings sehr selten. Meist im Juni spinnen sich die dann ausgewachsenen Raupen zu Boden und verpuppen sich dort.

Schäden an jungen Austrieb durch Frostspanner
Schäden an jungen Austrieb durch Frostspanner

Schäden wie im nebenstehenden Photo (hier ein junger Austrieb einer Aprikose) sind ebenfalls dem Frostspanner zuzuordnen. Es können Kern- und Steinobstbäume befallen werden.

Übrigens: Beim Fortbewegen machen die Frostspanner den typischen Katzenbuckel. Es kann durchaus amüsant sein, den Tieren beim Laufen zuzusehen. Natürliche Feinde sind u. a. Vögel, die die Raupen sehr gerne ihren Jungvögeln bringen.

Nur in seltenen Fällen lohn es sich also, den Frostspannerbefall mit Leimringen zu senken:

Die Adulten sind bräunlichgraue Falter. Ab Oktober erscheinen die flugfähigen männlichen Falter. Sie begatten die Weibchen, die allerdings nur rudimentäre Flügel ausgebildet haben und daher flugunfähig sind. Zur Eiablage wandern die begatteten Weibchen über den Stamm von Wirtsbäumen in die Krone auf, wo sie etwa 200 rötliche Eier ablegen, aus denen im folgenden Frühjahr die Raupen schlüpfen.

Nun erschließt sich die Wirkungsweise des Leimrings: An ihm bleiben die aufwandernden, flugunfähigen Weibchen kleben und werden an der Eiablage gehindert.
Denken Sie daran, auch den Pflock des Baums mit einem Leimring zu versehen. Auch gilt es, anhaftendes Laub fleißig zu entfernen, damit sich keine Brücken über den Leimring bilden. Im Dezember entfernt man den Leimring. Dauerhaft sollte er nicht am Baum verbleiben, damit die Borke unterhalb des Leimrings wieder gut abtrocknen kann.
Leimringe sollten auch nur dann angelegt werden, wenn der Frostspannerbefall unerträglich hoch ist. Sonst bleiben am Leim viele andere Tiere kleben und verenden völlig sinnlos.

Fraßschäden Frostspanner
Fraßschäden Frostspanner

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