02.10.2022
Bio-Obstbäume - was sind die Vorteile?

Das Bayerische Obstzentrum bietet so gut wie alle Obstbäume seit Herbst 2022 in Bioqualität an. Was macht den Unterschied - und warum ist es nicht nur für die Umwelt gut, wenn Obstbäume unter Öko-Bedingungen heranwachsen?

Wir haben in den zurückliegenden Jahren unsere Produktion auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Seit Herbst 2022 können wir nun einen Großteil unserer Obstgehölze als zertifiziert ökologische Pflanzen anbieten.

Die Umstellung auf Ökoproduktion ist viel mehr als der Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel, die im Bioanbau nicht zugelassen sind. Vielmehr geht es darum, die Bedingungen, unter denen die Pflanzen wachsen, so zu gestalten, dass sie von sich aus gesund sind und nur möglichst wenig so von Schaderregern befallen werden, dass sie darunter leiden.

Es ist schon ein Unterschied, ob ein Obstbaum als ökologisch zertifiziert oder konventionell erzeugte Pflanze heranwächst. Hier zwei Beispiele:

  • In der Ökoproduktion ist es nicht erlaubt, sog. Phytohormone einzusetzen. Sie fördern z. B. die Bildung von Seitentrieben an jungen Obstbäumen. Ökologisch erzeugte Obstbäume weisen deshalb weniger Seitentriebe auf. Sie bilden sich aber im ersten Standjahr im Garten aus.
  • Wir setzen keinen mineralischen Stickstoff ein, der in der konventionellen Erzeugung für die Steuerung der Wuchsstärke sehr hilfreich ist. Ökologisch erzeugte Obstbäume wachsen langsamer und sind am Ende des Jahres kleiner als konventionell erzeugte.

Die äußerlich sichtbare Größe sagt aber nichts über die Qualität der Bäume aus: Ökologisch erzeugte besitzen ein noch besseres Wurzelwerk, ihr Holz ist gut ausgereift und damit frosthart, und sie können am neuen Standort besonders schnell einwurzeln.

Triebspitze eines jungen Apfelbaums
Triebspitze eines jungen Apfelbaums

Warum haben viele der ausgelieferten Pflanzen einen weißen Belag auf den Blättern?

Ein bisschen stolz sind wir darauf, dass es uns innerhalb von nur zwei Jahren gelungen ist, bei der Anzucht von Obstbäumen auf so gut wie alle Pflanzenschutzmittel zu verzichten, indem wir unsere Kulturverfahren angepasst haben. Einzig Natron (ein Hauptbestandteil von Backpulver) nutzen wir gelegentlich, um Mehltau zu bekämpfen, und bei Spätbefall mit Blattläusen setzen wir Seifenlauge ein. Spinnmilben und Weichhaumilben, gegen die im konventionellen Anbau mit sog. Akariziden häufig behandelt werden muss, halten wir erfolgreich unter Kontrolle, indem wir Nützlinge ausbringen (Raubmilben).

Problematisch ist nur, dass Raubmilben trocken-heiße Luft nicht mögen, während Spinnmilben und Weichhautmilben diese Bedingungen lieben. Deshalb haben wir sehr wassersparende Nebeldüsen in unsere Gewächshäuser eingebaut. Wird es zu trocken und zu heiß, befeuchten wir damit die Blätter der Bäume temperaturabhängig in bestimmten Intervallen. Die Luftfeuchte im Gewächshaus steigt, auch die Temperatur sinkt durch die Verdunstungskälte ab.

Weil das Hallbergmooser Wasser, das wir verwenden, sehr kalkhaltig ist, bleibt – besonders auf den älteren Blättern – eine dünne, weiße Kalkschicht dort liegen. Die weißlichen Blätter sind also kein Mehltaubefall und auch kein Rückstand eines Pflanzenschutzmittels, sondern einfach nur Kalk – wie er sich auch in Ihrem Waschbecken nach und nach bildet.

Die weißen Blätter sind also eigentlich ein Gütesiegel für eine umweltschonende, pflanzen- und nützlingsfreundliche Anzucht!


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