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Resi – scharkaresistente Spätzwetsche

Autor: Dr. Michael Neumüller
Zuletzt bearbeitet: 1. September 2026

Das Schicksal der Hauszwetschge

Die gute alte ‘Hauszwetschge’ war über Jahrhunderte die Standardzwetschgensorte in Südost- und Mitteleuropa. Sie verbreitete sich nicht nur wegen ihrer guten Fruchtqualität so weit, sondern auch, weil sie meist nicht durch Veredlung, sondern preiswert und einfach über Wurzelausschläge vermehrt werden konnte. Bis vor wenigen Jahren war sie auf dem Balkan und in Osteuropa die Hauptsorte für den Zwetschgenschnaps, den Sliwowitz. War - denn zwei Faktoren machen den großflächigen Anbau dieser Sorte für die Zukunft mehr als fraglich:

Zum einen ist sie sehr anfällig für das Scharkavirus, das sich - vom Balkan kommend - seit gut hundert Jahren über die Welt verbreitet. Das Virus schädigt viele Prunus-Arten. Besonders empfindlich ist die Hauszwetschge. Infizierte Pflanzen werfen bis zu 80 % der Früchte etwa drei Wochen vor der Ernte ab. Die verbleibenden sind kleiner und werden nicht so süß bei erhöhtem Säuregehalt. Das ergibt nicht einmal mehr einen brauchbaren Schnaps. Übertragen wird das Virus über Blattläuse oder über infiziertes Vermehrungsmaterial (Edelreiser oder Unterlagen).

Zum anderen zeigen die Früchte der Sorte in Mitteleuropa in vielen Jahren Hitzeschäden. Das Fruchtfleisch wird glasig und hat einen gärigen Geschmack. Die einzigartige, süßlich-bittere Note prägen die Früchte nur noch selten aus. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Ursache für das Problem ist übrigens nicht die Hitze allein: Auf dem Balkan kommt sie seit Jahrhunderten mit 35 °C oder höheren Temperaturen zurecht. Problematisch ist nur, wenn sich vor der Reifezeit Tage mit üblichen Spätsommertemperaturen mit Hitzetagen abwechseln. Auf dem Balkan ist es in der Regel stabil heiß - bei uns hingegen haben wir nunmehr in vielen Sommern das beschriebene Wechselspiel, das die Früchte schädigt - und den Wert der ‘Hauszwetschge’ für den Anbau und die menschliche Ernährung schmälert.

Der Ausweg: Resi

Lamentieren hilft hier nichts, Ärmel aufstricken und Lösungen suchen durchaus. Die (ökologische) Obstzüchtung als Quelle von Innovationen hat auch in diesem Fall eine Lösung aufgezeigt: die Spätzwetschge ‘Resi’.

Die Früchte von ‘Resi’ reifen in etwa mit denen der Hauszwetschge (Typ Wolff). Sie sind größer, aber genauso gut steinablösend. Sie eignen sich gleichermaßen zum Frischverzehr und zur Verarbeitung, also auch zum Backen eines köstlichen Zwetschgendatschis, für Marmelade und für Zwetschgenknödel oder -röster. Die Früchte sind viel stabiler gegen Hitzeeinwirkung als die der Hauszwetschge.

Und dazu kommt: Die Resi-Bäume sind resistent gegen die Scharkakrankheit. Das Plum pox virus (PPV), das die Krankheit hervorruft, kann in den Bäumen nicht überdauern. Die Zwetschgenbäume der Sorte bleiben auch bei hohem Infektionsdruck befallsfrei und sind keine Infektionsquelle für andere Zwetschgenbäume. (Das ist im übrigen auch bei der Sorte ‘Moni®’ der Fall.) Damit ist Resi® eine Zwetschgensorte, die einen festen Platz im Reifebereich der Spätzwetschgen (je nach Jahr und Lage Anfang bis Ende September) verdient. Sie ist eine sehr fruchtbare Sorte und aufgrund ihrer langen Blütezeit und guten Pollenqualität noch dazu ein sehr guter Pollenspender für andere Zwetschgen-, Pflaumen-, Renekloden- und Mirabellenbäume.

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