Äpfel und Birnen richtig ernten und lagern

Die Früchte von Apfel- und Birnbäumen dürfen nicht zu früh und nicht zu spät gepflückt werden: Ernten Sie zu früh, entwickelt sich das sortentypische Aroma nicht und die Früchte schmecken fade und weniger süß. Ernten Sie zu spät, werden die Früchte schnell weich, Birnen teigig, und sie sind nicht lange haltbar.

Wie wird der Erntetermin bestimmt?
Der Erntetermin kündigt sich bei Apfel- und Birnenfrüchten anhand nachfolgend genannter Merkmale an:
- Fruchtfarbe: Apfelfrüchte sind meistens zweifarbig: Die Grundfarbe ist grün-gelb, die Deckfarbe rot. Bei der Reife sind die Grund- und Deckfarbe jeweils sortentypisch ausgeprägt. Die Grundfarbe wechselt von grün nach gelb.
- Samenfarbe: Schneidet man die Frucht auf, sind die Samen nicht mehr weißlich, sondern braun gefärbt. Bei im August reifenden Frühsorten gilt dies nicht, deren Samen sind bei Pflückreife meistens noch weißlich.
- Wie leicht löst sich der Fruchtstiel vom Fruchtholz? Heben Sie die noch am Baum hängende Frucht mit der Hand etwas an und drehen Sie sie leicht. Wenn sich der Fruchtstiel dann leicht vom Fruchtholz löst, ist der Erntezeitpunkt gekommen. (Nur bei einigen wenigen Sorten haftet der Fruchtstiel auch bei Vollreife fest am Baum.)
In der Region München steht im letzten Septemberdrittel die Ernte der Apfelsorten Freiherr von Hallberg, Prinzregent Luitpold und Topaz an, am Übergang zum Oktober folgt Gräfin Goldach, danach Winterzauber und Laetitia.

Die optimalen Bedingungen zur Lagerung
Folgende Faktoren beeinflussen im Wesentlichen die Lagerfähigkeit von Äpfeln und Birnen:
- Temperatur: Optimal ist eine Temperatur von 1 bis 2 °C beim Apfel, von -0,5 bis -1,0 °C bei der Birne.
- Luftfeuchte
Die relative Luftfeuchte sollte bei 92-95 % liegen. - Zusammensetzung der Atmosphäre, die die Früchte umgibt: Die Lageratmosphäre, die die Früchte umgibt, sollte möglichst wenig Sauerstoff (1 bis 2 %) und möglichst viel Kohlenstoffdioxid* (0,5 bis 2,5 %) enthalten.
Im Hausgarten wird es schwierig sein, die genannten Lagerungsbedingungen optimal einzuhalten. Es ist aber schon viel erreicht, wenn sie näherungsweise eingestellt werden: Suchen Sie sich den Raum mit der bestgeeigneten (also niedrigsten) Temperatur aus. Das kann ein Kellerraum, ein Geräteschuppen oder auch die Garage sein. Die Zusammensetzung der Lageratmosphäre wird dadurch reguliert, dass die Früchte in eine Plastiktüte (z. B. Gefrierbeutel) gelegt werden: Während der Lagerung geben die Früchte Wasserdampf ab, dadurch steigt die Luftfeuchte im Plastikbeutel. So schrumpfen die Früchte deutlich weniger. Zudem nehmen die Früchte bei der Atmung, die sie natürlicherweise durchführen, Sauerstoff auf und geben Kohlendioxid ab. Natürlich kann man die Früchte auch - am besten einlagig - in flache Steigen aus für lebensmittel zugelassenem Kunststoff oder aus unbehandeltem Holz legen. Dann kann man eine große Plastiktüte über die gesamte Steige ziehen.
Nur wer das Glück hat, einen Erdkeller nutzen zu können, in dem die Luftfeuchte sehr hoch gehalten werden kann, brauchte keine Plastiktüte: Sie können die Früchte offen in Regale oder Steigen legen. Ist die Luftfeuchte nämlich zu gering, schrumpeln die Früchte sehr schnell. (Allerdings ist ohne Plastiktüte die Veränderung der Lageratmosphäre nicht möglich.)

Schritt für Schritt: Lagerung von Kernobst im Hausgarten
- Ernten Sie die Früchte schonend, es darf keine Verletzungen der Fruchtoberfläche und keine Druckstellen geben. Alle Früchte, die vom Baum zu Boden gefallen sind, können nicht eingelagert werden.
- Lassen Sie die Früchte auf der Nordseite des Hauses über Nacht abkühlen.
- Am frühen Morgen verpacken Sie die Früchte in durchsichtige Plastikbeutel (z. B. 6 Liter-Gefrierbeutel). Verschließen Sie die Plastikbeutel nicht hermetisch, damit noch etwas Gasaustausch stattfinden kann, sondern stellen Sie die Früchte bzw. Steigen einfach auf die zusammengeraffte Öffnung der Tüte.
- Tragen Sie die in Plastik gepackten Früchte ins Lager, z. B. in einen kühlen Kellerraum oder die Garage. Legen Sie sie dort in ein Regal.
- Kontrollieren Sie am nächsten Tag, ob sich Kondenswasser anm Folienbeutel bildet. In diesem Fall schneiden Sie mit einer kleinen Schere zwei kleine Schlitze (ca. 1 cm breit) in den Folienbeutel. So kann überschüssiges Wasser entweichen. Wenn nach einigen Tagen immer noch Wasser in den Beuteln kondensiert, schneiden Sie nach und nach noch mehr kleine Schlitze hinein.
- Kontrollieren Sie die Tüten wöchentlich. Finden Sie eine faule Frucht, nehmen Sie den Beutel mit in die Küche und verzehren die gesunden Früchte, die sich im Beutel befinden. Öffnen Sie Beutel mit Früchten, die Pilzbefall aufweisen, nie im Lagerraum. So können Sie gesunde Früchte von lagerfähigen Sorten über Monate hinweg aufbewahren.