Logo des Bayerischen Obstzentrums, Hallbergmoos
Kostenloses E-Book: Obst für kleine Gärten

Mehltaupilze sind auf dem Vormarsch!

Autor: Dr. Michael Neumüller
Zuletzt bearbeitet: 8. November 2022
Kategorie: Frühling

Mehltaubefallener Apfeltrieb
Mehltaubefallener Apfeltrieb

Wer auf seinen Apfelbäumen, Johannisbeer- oder Stachelbeersträuchern Blätter findet, die aussehen, als hätter der Bäcker seine mehligen Hände darüber ausgeklopft, kann sicher sein: Die Pflanzen sind mit dem Echten Mehltau befallen. Es gibt ein paar Tricks, den Befall zurückzudrängen…

Mehltau - ein Schönwetterpilz

Die meisten Pilze, die Pflanzen befallen, verbreiten sich mit Sporen. Diese oft winzigen Zellen oder Zellverbände brauchen meist mehrere Stunden, machmal sogar mehr als einen Tag mit durchgehender Feuchte auf den Blättern, um auszukeimen und in das pflanzliche Gewebe einzudringen. Deshalb gibt es in Jahren mit feuchter Witterung deutlich mehr Pilzbefall als in trockenen Jahren. Echte Mehltaupilze machen hier eine Ausnahme. Ihnen genügt oft schon der Tau der Nacht, um die Pflanze zu infizieren, sie verbreiten sich am besten bei trockenem Wetter.

Übrigens gibt es sehr viele verschiedene Arten von Echtem Mehltau. Derjenige, der Rosen befällt, kann nicht die Gurken infizieren, und der Mehltau der Stachelbeere ist ein anderer Pilz als der, der den Apfel befällt. Verfallen Sie daher nicht in Panik, wenn Sie an einer Pflanze in Ihrem Garten Mehltaubefall feststellen: Die Krankheit überträgt sich meist nur innerhalb der gleichen Pflanzenart.

Bei Obstgehölzen tritt sie am häuigsten beim Apfel und bei Stachelbeeren auf, in jüngsten Jahren aber immer stärker auch bei Johannisbeeren. Weil häufiger trockene, warme Witterung herrscht, nimmt der Befall mit Mehltaupilzen in den letzten Jahren generell zu.

[Falscher Mehltau, wie man ihn von Gurken oder auch von der Weinrebe her kennt, verhält sich übrigens anders. Falschen Mehltau beim Wein kann man als normalsterblicher Gärtner nicht sinnvoll bekämpfen. Hier hilft nur, den alten, stark befallenen Weinstock zu entfernen und stattdessen eine robustere Sorte zu pflanzen.]

Drei Dinge sind es, die bei der Bekämpfung einer jeden Krankheit im Hausgarten beachtet werden sollten:

  • Robuste Sorten verwenden. Innerhalb einer jeden Obstart gibt es deutliche Unterschiede hinsichtlich der Anfälligkeit gegenüber Pilzkrankheiten. Die Apfelsorte ‘Jonathan’ beispielsweise ist äußerst empfindlich für Mehltauinfektionen. Bäume solcher Sorten muss man unbedingt meiden zu pflanzen.
  • Infektionsdruck senken. Je weniger Infektionspotential in der Umgebung vorhanden ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Infektion. Beim Mehltau heißt das: Symptomtragende Triebe werden unverzüglich ausgebrochen oder -geschnitten. Man kann sie getrost auf dem Boden liegen lassen oder in den Kompost geben: Sobald sie welk geworden sind, produzieren sie keine Sporen mehr.
  • Infektionsbedingungen beeinflussen. Weil Mehltau kaum Wasser braucht, um zu infizieren, ist es schwierig, diesen dritten Punkt umzusetzen. Schließlich kann man Taubildung auf den Blättern kaum vermeiden. Generell gilt aber: Ist eine Pflanze gesund, ist sie auch von sich aus weniger anfällig gegen Mehltau. Sachgerechte Düngung, sachgerechter Schnitt und angepasste Bewässerung tragen dazu bei.
  • Chemische Bekämpfung. Auf dem Markt gibt es viele zugelassene Pflanzenschutzmittel. Man braucht nur wenige, sehr umweltschonende, um dem Mehltau, wenn die anderen Maßnahmen nicht ausreichen, noch etwas zurückzudrängen. Zwei Anwendungen, die im Bioanbau eine große Rolle spielen, seien hier vorgestellt:

Mit Backpulver oder Schwefel gegen Mehltau

Backpulver enthält Natriumhydrogencarbonat. Schon vor dreißig Jahren machte man die Entdeckung, dass dieses Natron, in Wasser gelöst und auf die Blätter von gärtnerischen Kulturpflanzen gesprüht, deren Befall durch Echte Mehltaupilze spürbar verringert.

Wie geht man vor? Lösen Sie ein Päckchen Backpulver (ca. 15 g) in einem Liter kalten Leitungswassers auf. Füllen Sie die Lösung in eine Sprühflasche oder eine Pflanzenschutzspritze, und besprühen Sie die zu schützende Pflanze in den Abendstunden mit der Lösung. Wiederholen Sie dies alle fünf Tage, wenn die Witterung warm und trocken ist. Ist es kalt und/oder feucht, brauchen Sie nicht zu behandeln, denn dann besteht keine Infektionsgefahr. Mit dieser Behandlung können Sie bereits bestehende Infektionen nicht mehr rückgängig machen, sondern nur neue verhindern. Behandeln Sie nie bei Wind, wenn die Blätter feucht sind oder wenn die Sonne scheint.

Etwas wirksamer als Natron ist Netzschwefel. Auch ihn kann man in gleicher Weise verwenden. Beachten Sie stets die Anleitung auf der Verpackung des Netzschwefelpräparats, das Sie im Fachhandel bezogen haben. In den meisten Fällen ist eine 0,5%ige Lösung anzusetzen, also 5 g Schwefel in einem Liter Wasser lösen.

Backpulver können Sie auch verwenden, wenn die Ernte kurz bevorsteht, es hat keine sogenannte Wartezeit. Bei Netzschwefel dürfen Sie eine gewisse Zeit vor der Ernte nicht mehr behandeln. Wie lange das ist, ist auf der Verpackung des Netzschwefelpäparats angegeben.

Zur Übersicht

Diesen Artikel teilen: