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Porzellanerde gegen Schädlinge, Spätfröste und Sonnenbrand

Autor: Dr. Michael Neumüller
Zuletzt bearbeitet: 4. März 2026

Mit Kaolin behandelter Birnentrieb

Birnblattsauger und Kirschessigfliege mit Porzellanerde in Schach halten? Zwei der Schaderreger, die der Obstbauer am meisten fürchtet? Noch vor ein paar Jahren haben viele darüber gelacht - und werden heute eines Besseren belehrt. Denn mit chemisch-synthetischen Insektiziden ist den beiden Insekten nicht mehr Herr zu werden - zumindest nicht legal und ohne die Umwelt in nicht vertretbarer Weise zu beeinträchtigen. Mit dem gleichen Mittel auch noch Spätfrostschäden vermeiden und Sonnenbrand bekämpfen? Wir zeigen Ihnen, wie es geht.

So bringen Sie Porzellanerde im Garten aus:

Porzellanerde oder Kaolin ist ein weißliches Tonmineral. Es wird in vielen Ländern, auch in Deutschland, meist im Tagebau in natürlichen Lagerstätten abgebaut. Außer in der Landwirtschaft wird es bei der Herstellung von Porzellan gebraucht, daher der Name Porzellanerde. Auch für medizinische Zwecke und als Grundlage für Puder findet es Verwendung. Für die Verwendung in Gartenbau und Landwirtschaft ist eine hohe Reinheit erforderlich. Porzellanerde (Kaolin) für den Gebrauch im Hausgarten können Sie in unserem Online-Shop kaufen.

Anwendung: Geben Sie 150 g Porzellanerde (Kaolin) auf einen Liter Wasser. Rühren und/oder schütteln Sie kräftig. Sprühen Sie die Suspension dann auf die Bäume. Dazu können Sie eine Sprühflasche oder eine Rückenspritze verwenden. Achten Sie darauf, dass alle Seiten der Triebe gründlich benetzt werden. Sie sollten die Porzellanerde-Suspension immer frisch ansetzen und zwischendurch schütteln, da sie sich sonst am Boden absetzt.

Da Porzellanerde weder giftig noch reizend ist, macht es auch nichts aus, wenn Sie „versehentlich“ andere Pflanzen mit besprühen oder sich selbst bekleckern. Auch Spalierobst können Sie gut behandeln. Eventuelle Spritzflecken auf den Fenstern können Sie sogar im trockenen Zustand leicht mit einem Tuch wegwischen.

Beachten Sie: Porzellanerde schützt nur solange, bis der Belag vom Regen abgewaschen ist. Ggf. müssen Sie die Behandlung also wiederholen.

Kaolinbelag auf einem Birnentrieb. Der Birnblattsauger erkennt den Trieb kaum mehr als Eiablagestelle.

Porzellanerde ist ein natürlich vorkommendes Tonmineral, das auch unter dem Name Kaolin bekannt ist. Im Bioobstbau ist es inzwischen unverzichtbar geworden:

Kaolin gegen Birnblattsauger

Der Birnblattsauger ist ein Schädling, der die Entwicklung der Triebe und Früchte sehr stark hemmen kann. Chemische Insektizide sind zunehmend wirkungslos oder dezimieren die Population nützlicher Insekten. Deshalb hat sich eine Strategie bewährt, die auch auf Porzellanerde setzt:

Erwachsene Tiere überdauern den Winter und fliegen in den ersten warmen Tagen - mitunter schon Ende Februar, bestimmt aber im März - zu den Birnbäumen. Dort beginnen sie mit der Eiablage. Besprüht man die Triebe und Blütenknospen mit Porzellanerde, werden die Birnbäume viel weniger von den erwachsenen Insekten besucht - und die Eiablage wird deutlich reduziert. Das wiederum schafft die Voraussetzung dafür, dass nützliche Insekten die Blattsaugerpopulation auf den Birnbäumen nach dem Austrieb auf einem so Niveau halten können, dass keinen nennenswerten Schäden auftreten. Sollte das doch der Fall sein, kann man mit Backpulver nachhelfen. Die Strategie funktioniert aber nur, wenn die Nützlinge nicht durch Insektizide (z. B. gegen Blattläuse) beeinträchtigt werden. Im Bioanbau ist der Birnblattsauger deshalb oft viel weniger problematisch als im konventionellen Anbau. Bei Ihnen im Hausgarten kann es genauso sein! Details finden Sie hier.

Kirschessigfliege bei der Eiablage auf einer Zwetschgenfrucht

Kaolin schützt vor starkem Kirschessigfliegenbefall

Die Kirschessigfliege ist ein Schädling, der kurz vor der Ernte Früchte mit weicher Fruchtschale befällt. Dazu zählen Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen, Renekloden, Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Trauben und Heidelbeeren. Die Liste ließe sich durchaus verlängern. Weinbauern lehrt die Kirschessigfliege das Fürchten, denn in befallenen Früchten wird Essigsäure gebildet, das sie wertlos macht. Werden die Trauben drei Wochen vor der Ernte mit einem dünnen Film von Porzellanerde versehen, ist der Befall mit Kirschessigfliege deutlich geringer. Unschön wirkt lediglich der graue Schleier, der die Früchte bedeckt. Er ist aber geschmacksneutral und völlig unbedenklich. Theoretisch ist es möglich, auch andere Obstarten mit Porzellanerde vor starkem Kirschessigfliegenbefall zu schützen. im Garten wäre dies auch möglich. Für Obstbauern besteht diese Option nicht, da der Handel Früchte mit grauem Porzellanerdeschleier nicht akzeptiert.

Helle Farbe an einem Birnbaum nach einer Kaolin-Behandlung

Mit Kaolin Spätfrostschäden verringern

Zur Verzögerung des Austriebs sprühen die Obstbauern insbesondere Steinobstbäume im Februar und März mit Porzellanerdesuspension ein. Dadurch werden die Triebe heller und reflektieren mehr Sonnenlicht, sie erwärmen sich also langsamer und weniger stark. Das kann den Austrieb um etliche Tage verzögern - oft die entscheidenden Tage, die vor Spätfrostschäden schützen.

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