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Sonnenbrand und Hitzeschäden

Autor: Dr. Michael Neumüller
Zuletzt bearbeitet: 16. September 2026

Starke Sonnenbrandschäden auf einer Apfelfrucht, beginnende Fäulnis

Dass der Sommer 2026 ein besonderer war, ist hinlänglich bekannt. Welche Auswirkungen hatte er auf den Obstbau? Welche Strategien mindern Schäden? Lesen Sie hierzu die nachfolgenden Ausführungen:

Leichter Sonnenbrand auf einer Apfelfrucht: Bestimmte Farbpigmente der Schale sind teilweise zerstört, es bilden sich braune Verfärbungen aus.

Sonnenbrand und Hitzeschäden

Als Sonnenbrand bezeichnet man im Obstbau Schäden vorwiegend auf Früchten, die durch starke Exposition zur Sonne entstehen. Eine erste Stufe ist das Ausbleichen von Farbpigmenten in den Zellen der Fruchtschale. Meist betrifft das die roten Farbstoffe, die Anthocyane, mitunter aber auch das Chlorophyll. In der Folge werden ursprünglich rot gefärbte Bereiche der Fruchtschale braun bzw. grün gefärbte ockerfarben. Im fortgeschrittenen Stadium sterben die obersten Zellschichten der Fruchtschale ab. Das Gewebe sinkt ein, es bilden sich braun-schwarze Platten. Mitunter vertrocknen die abgestorbenen Zellen und das darunterliegende Gewebe bleibt weitgehend unbehelligt, mitunter beginnt an der Stelle Fäulnis, die sich auf die gesamte Frucht ausbreiten oder lokal auf die Sonnenbrand-Stelle beschränken kann. Haltbar sind sonnenbrandgeschädigte Früchte in jedem Fall nicht, sie reifen meist auch verfrüht und die innere Qualität leidet. Verstärkt wird der Sonnenbrand durch die Kombination von hoher Sonneneinstrahlung, hohen Temperaturen und Trockenstress.

Starke Sonnenbrandschäden auf einer Apfelfrucht

Maßnahmen gegen Sonnenbrand:

  • Die richtige Sortenwahl. Bestimmte Sorten sind sehr empfindlich. Dazu zählt die deutsche Hauptsorte Elstar, aber auch Cox Orangenrenette, Alkmene und Holsteiner Cox. Auch die Früchte von Jonagold-Bäumen leiden relativ stark. Robust sind z. B. Graf Luckner, Gräfin Goldach, Laetitia und Winterzauber.
  • Ausreichend gießen: Lassen Sie die Obstbäume nicht in Trockenstress geraten. Angepasste Wassergaben (nicht zu oft, aber pro Gabe mindestens 20 Liter bei einem Spindelbusch, 150 Liter bei großkronigen Bäumen gießen) helfen weiter.
  • Kaolin spritzen: Das Tonmineral Kaolin (Porzellanerde) wird als feine Schicht auf die Pflanzen (und damit auch die Früchte) gespritzt und verringert als heller Belag auf den Früchten die energiereiche Strahlung, die auf die Früchte einwirkt. Dadurch werden die Zellen weniger geschädigt und die Früchte erwärmen sich weniger stark. Eine detaillierte Anleitung hierzu finden Sie hier.
  • Kristallminerale (wie Zeolith) und Gesteinsmehle (wie Biolit Ultrafein Plus) spritzen: Sie bilden ebenfalls eine weißlich-graue Schicht auf den Früchten. Am Bayerischen Obstzentrum verwenden wir zur Vorbeugung von Sonnenbrand an Kernobst eine Kombination aus Kaolin (2 kg/ha), Zeolith (2 kg/ha) und Biolit Ultrafein Plus (1 kg/ha), die wir zusammen mit Wurmkompostextrakt etwa alle 10 Tage ausbringen.
Innere Verbräunungen bei Zwetschgenfrüchten sind äußerlich nicht sichtbar.

Maßnahmen gegen äußerlich nicht sichtbare Hitzeschäden:

Sonnenbrand ist äußerlich sichtbar. Es gibt aber auch Hitzeschäden an Früchten, die von außen nicht zu erkennen sind. Das betrifft vornehmlich das Steinobst, meist Zwetschgen, Pflaumen und Renekloden. Betroffene Früchte sind weicher. Schneidet man sie auf, ist das Fruchtfleisch – oft beginnend um den Stein – verbräunt; dies meist nur hälftig, selten die ganze Frucht umfassend. Manchmal ist das Fruchtfleisch auch glasig. (Dies ist nicht zu verwechseln mit der Glasigkeit des Apfels, die auf sehr hohe Zuckereinlagerung in die Früchte zurückzuführen ist.) Bei manchen Sorten fallen hitzegeschädigte Früchte vor der Reife ab, bei anderen bleiben sie am Baum. Unserer Beobachtung nach treten Hitzeschäden im inneren der Frucht vor allem dann auf, wenn es einzelne Hitzetage gibt, die zwischen Tagen mit moderaten Temperaturen eingestreut sind. Es scheint also der Wechsel zwischen sehr hohen und „üblichen“ Temperaturen ursächlich zu sein. Herrschen – wie 2026 – die sehr hohen Temperaturen aber durchgehend, sind innere Hitzeschäden eher selten. Die hitzegeschädigten Früchte sind im Übrigen im ganzen Baum verteilt, es sind also auch Früchte betroffen, die nicht oder nur kurzzeitig direkt von der Sonne beschienen werden. Entsprechend schwierig ist es, diese physiologischen Hitzeschäden zu vermeiden, denn die Temperatur in der Obstanlage bzw. im Obstgarten kann mit vertretbaren Mitteln kaum beeinflusst werden.

Hitzebedingte Glasigkeit bei Früchten der Hauszwetschge. Sie sind ungenießbar.

Verbräunungen der Blätter

Manche Obstsorten vertragen dauerhaft heiße Witterung nicht. Dazu zählt die Birnensorte Conference. Sie ist inzwischen die in Europa wichtigste Birnensorte geworden. Ist es zu heiß, verbräunen die Blätter. Am längsten grün bleiben die jüngeren Blätter von Langtrieben. Blätter können vorzeitig abfallen. Empfindliche Sorten sind nicht mehr für den Anbau zu empfehlen. Dass wider besseren Wissens immer noch Conference-Bäume im großen Stiel gepflanzt werden, ist mit Vernunft nicht zu begründen. Wahrscheinlich ist ein Szenario, bei dem in etlichen Jahren mit staatlichen Subventionen die Rodung der Conference-Bäume gefördert wird, um die Bauern zu entlasten. Leider sind solche Vorgehensweisen in der Landwirtschaft kein Einzelfall.

Ähnliches gilt im Übrigen für die Apfelsorte Elstar. Bei ihr verbräunen zwar nur in geringem Maße die Blätter, aber die Früchte sind sehr anfällig für Sonnenbrand. Zudem entwickeln die Früchte in heißen Jahren nicht das typische Aroma, sind zu weich und schlecht lagerfähig. Trotzdem werden – häufig staatlich subventioniert – weiterhin Elstar-Bäume gepflanzt. Wenn man bedenkt, dass sowohl Conference- als auch Elstar-Bäume an Hitzetagen mit Überkronenberegnung vor Hitzeschäden geschützt werden, ist es nicht verwunderlich, wenn zunehmend kritische Stimmen laut werden, die den Obstbauern Wasserverschwendung vorwerfen. Daher gilt: Denken Sie bereits bei der Pflanzung daran, die richtige Sorte zu wählen, auch im Hausgarten!

Verbräunungen der Blätter bei Birnen durch Hitzeeinwirkung

Entwicklung von Jungbäumen

Wie die Kronenentwicklung benötigt auch die Ausbildung des Wurzelsystems eines Obstbaums etliche Jahre. Im Pflanzjahr und den darauf folgenden zwei Jahren leiden Obstgehölze daher schneller und stärker unter Trockenstress. Das Wachstum der Jungtriebe kommt zum Stillstand, das Laub wird fahl und im Extremfall teilweise abgeworfen. Mitunter kann der Baum absterben.

Hier hilft regelmäßiges gießen: Je nach Bodenart und Witterung werden ein- bis viermal pro Woche zwei Gießkannen (20 l) Wasser auf die Baumscheibe gegossen. Wird täglich eine kleine Menge gegossen, hält es den Baum zwar am Leben, aber es fördert nicht die Ausweitung des Wurzelsystems. Zudem ist es vorteilhaft, wenn ein größeres Areal des Bodens feucht gehalten wird, da dann auch die mikrobielle Aktivität des Bodens besser erhalten bleibt.

Zustand des Bodens

Je besser die Fähigkeit des Bodens, pflanzenverfügbares Wasser zu speichern, desto besser und länger überstehen Pflanzen Trockenperioden. Diese Fähigkeit hängt von vielen Faktoren ab. Manche sind gegeben, wie z. B. die Bodenart. Andere sind in gewissem, aber oft entscheidendem Maße beeinflussbar, wie z. B. der Gehalt an organischer Substanz und deren Zusammensetzung oder die Struktur des Bodens. Förderlich auf die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens wirken sich aus:

  • organische statt synthetisch-mineralische Düngung (insbesondere mit dem Nährelement Stickstoff), Düngung mit Mist wirkt sich besonders positiv aus
  • Dauerhafter Bewuchs des Bodens, zumindest eine Abdeckung mit organischer Substanz („offenen“ Boden vermeiden)
  • Verzicht auf Herbizide, stattdessen bedarfsgerechte Handhacke
  • Bodenbewegungen (Umgraben, Fräsen) auf das nötigste Maß reduzieren
  • Regelmäßige, aber nicht zu hohe und bedarfsgerechte Gaben von Gesteinsmehlen und Zeolith

Unter Obstgehölzen ist es üblich, den Boden entweder mit niedrigwachsenden Pflanzen (z. B. geeigneten Blumen, Frühjahrsblühern, ggf. niedrigwachsendem Klee) zu begrünen oder ihn mit einer (nicht zu starken) Schicht an organischen Material wie Grasschnitt (nicht Rinde oder Hackschnitzel!) zu bedecken. Bewegt wird die Erde unter den Bäumen nicht oder äußerst flachgründig. Im Sommer beschattet die Baumkrone den darunterliegenden Boden. Deshalb tragen Obstgehölze in hohem Maß dazu bei, die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens langfristig zu erhöhen, und zwar in allen Baumformen - vom Spindelbusch bis zum Hochstamm. Wenn Sie dann auch noch auf eine mineralische Stickstoffdüngung verzichten, leisten Sie mit Ihrem Garten einen Beitrag zur Stabilisierung des Wasserhaushalts - und das bei Dürren genauso wie bei Überschwemmungen. Mag der Effekt eines einzelnen Gartens auch überschaubar sein: Die Summe macht es aus.

Übrigens konnte man im Hitze- und Dürrejahr 2026 sehr gut beobachten, wie enorm groß der Einfluss des Bodens auf die Wasserverfügbarkeit für die Kulturpflanzen ist, indem man den Zustand der Kulturen benachbarter Felder verglich: Mit der gleichen Kultur bestellte Felder blieben auf manchen Flächen grün, während sie auf benachbarten verdorrten. Dies war nicht nur auf die Sortenwahl und Kulturführung zurückzuführen (welche natürlich einen Einfluss haben), sondern auch auf den Zustand des Bodens.

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