Warum Pheromonfallen gegen Apfel- und Pflaumenwickler wirkungslos sind

Wie wirken Pheromone?
Apfel- und Pflaumenwickler finden zur Paarung nicht durch optische Reize, sondern durch Geruchsstoffe zueinander. Das ist sehr vorteilhaft, denn die erwachsenen Tiere sind Falter, die gut getarnt sind. Die paarungsbereiten Weibchen sondern Sexuallockstoffe (sog. Pheromone) ab, die die Männchen wahrnehmen können. Zielgerichtet fliegen diese - dem Gradienten des Gruchsstoffs folgend - die Weibchen an. Nach der Paarung an lauen Abenden legt das Weibchen ihre Eier auf Früchte oder diesen benachbarte Blätter ab. Aus den Eiern schlüpfen Maden, die sich in die Frucht einbohren. Die befallenen Früchte fallen ab. Ein Teil der Maden verpuppt sich und überdauert bis zum nächsten Frühling, ein anderer Teil schlüpft nach der Diapause im gleichen Jahr als Falter. Die Maden dieser zweiten Generation finden wir in den reifen Früchten.

Wie wirken Pheromonfallen?
Der Grundgedanke der Pheromonfallen ist folgender: Eine Kapsel, die synthetisch hergestelle Pheromone der Apfelwicklerweibchen enthält, wird in die Mitte einer mit Leim bestrichenen Tafel gelegt. Sie liegt waagrecht in einem dreieckigen Plastikhäuschen, das im Obstbaum aufgehängt wird. Die Kunststoffkapsel ist so konstruiert, dass sie permanent Sexuallockstoffe abgibt. Sie sollen ein Weibchen imitieren, das Pheromone absondert und Männchen anlockt. Dieses Ziel erfüllt sie auch: Einige Männchen fliegen in das Häuschen und bleiben auf der Leimtafel kleben. Sie verenden und können an der Fortpflanzung demnach nicht mehr teilnehmen.

Warum verringern Pheromonfallen nicht den Anteil madiger Früchte?
Die Männchen, die in den Fallen gefangen werden, können zuvor bereits Weibchen begattet haben. Da sich in der Nachbarschaft der Falle viele Weibchen befinden, die ebenfalls Pheromone absondern, konkurriert die Pheromonfalle lediglich mit vielen Weibchen um die Männchen. Viele Männchen werden der Sache im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf den Leim gehen und sich mit Weibchen paaren. Da nur Männchen gefangen werden, reduziert sich nicht die Anzahl eiablegender Weibchen. Denn die verbleibenden Männchen erledigen ihre Aufgabe der Begattung auch bei geringfügig reduzierter Zahl an Konkurrenten.

Sind Pheromonfallen also zu nichts Nutze?
Doch. Aber nicht dazu, den Anteil madiger Früchte zu reduzieren. Im Profianbau werden sie eingesetzt, um die Flugaktivität der männlichen Falter zu beschreiben: Wann fliegen die ersten Falter im Jahr in einer bestimmten Region? Wie viele werden gefangen? Wie lange dauert die Flugsaison? Aus diesen Daten werden dann - basierend auf der Erfahrung jahrzehntelanger Beobachtungen und unter Zuhilfenahme von Klimadaten, die in der Obstanlage gemessen werden, und der Wetterprognose - die Zeiträume hoher Begattungsakativität, hoher Eiablage und des Schlupfschwerpunktes der Maden errechnet. So kann der Obstbauer sehr gezielt Maßnahmen zur Bekämpfung der Maden einleiten. Beispielsweise kann er gegen den Apfelwickler bestimmte Granuloseviren einsetzen in den Tagen, in denen die meisten Maden schlüpfen. Nur dann sind sie empfindlich gegen das Virus. Das Virus selbst wird durch UV-Strahlung schnell inaktivert, deshalb kann der Obstbauer es nicht einfach irgendwann ausbringen, sondern effektiv nur kurz vor dem Madenschlupfhöhepunkt.