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Warum wächst mein Obstbaum so stark?

Autor: Dr. Michael Neumüller
Zuletzt bearbeitet: 25. July 2023
Kategorie: Frühling

Dieser Apfelbaum bildet viele Wasserschosse, weil er viel zu stark geschnitten wurde.

Ihr Obstbaum wächst und wächst, es bilden sich immer mehr Wasserschosse, und wenn Sie ihn schneiden, wird es eher schlimmer als besser? Dann sind Sie nicht alleine, denn in den meisten Gärten ist das die Hauptursache dafür, dass der Obstanbau nicht gelingt. Wir sagen Ihnen, woran es liegt und was Sie tun können.

Nach einem starken Rückschnitt versuchst der Baum, die verlorenen Kronenbereiche rasch wiederherzustellen, indem er Wasserschosse bildet.

Unsere Obstbäume setzen sich aus (mindestens) zwei verschiedenen Pflanzen zusammen, die an der Veredlungsstelle miteinander verwachsen sind:

  1. Das Edelreis bildet die Krone aus, blüht und trägt Früchte.
  2. Die Unterlage prägt die Wurzel und den unteren Bereich des Stammes aus.

(Manchmal ist noch ein sogenannter Stammbildner oder eine Zwischenveredlung zwischen Unterlage und Edelreis geschaltet, häufig z. B. bei Birnen, die auf Quittenunterlage veredelt sind.)

Was ist die Funktion der Unterlage?

Wie bei der Edelsorte gibt es auch bei der Unterlage für jede Obstart verschiedene Sorten. Die Unterlage bestimmt, wie groß der Obstbaum werden wird. Halb- und Hochstämme haben die gleiche, einen starken Wuchs der Edelsorte bedingende Unterlage. Für Buschbäume und Spindelbüsche verwendet man andere Unterlagen, die einen mittelstarken bzw. schwachen Wuchs der Edelsorte bedingen.

Der Kardinalfehler: Es wird ein Baum gepflanzt, der auf einer starkwüchsigen Unterlage veredelt ist, aber der Platz reicht dafür nicht aus

Gleich nach der Pflanzung und in den ersten Standjahren sehen alle Obstgehölze klein und putzig aus. Nach ca. 6 Jahren sind Obstbäume, die auf Starkwuchs induzierenden Unterlagen veredelt sind, aber gerne bereits 5 m hoch und 4 m breit. Ausgewachsene Halb- und Hochstämme werden ca. 6 m hoch und 8 bis 10 m breit. Das ist oftmals zu hoch und zu breit für den Platz, den man vorgesehen hat. Dann greift der Gärtner mitunter zu Schere und Säge und schneidet den Baum stark zurück.

Starker Rückschnitt provoziert starken Neuaustrieb

Da dem Baum von der Unterlage vorgegeben ist, wie groß er wird, wird der Baum die abgeschnittenen Äste so schnell wie möglich ersetzen. Dazu macht er Langtriebe, die sogenannten Wasserschosse. Das Problem dabei ist, dass sich an Wasserschosse bei den meisten Obstarten (Ausnahme: Pfirsich und Nektarine) keine oder so gut wie keine Blütenknospen bilden. Der Baum wächst also immer stärker und trägt immer weniger, je stärker er geschnitten wird.

Die kann man das vermeiden?

Deshalb ist es äußerst wichtig, bei der Pflanzung bereits die Endgröße des Baumes zu berücksichtigen. Beim Baumkauf wird man Bäume auswählen, die genau die Größe bewirken, die man wünscht. Einen Baum, der auf starkwuchsinduzierender Unterlage veredelt ist, kann man durch Rückschnitt nicht klein halten und trotzdem Ertrag erwarten. Es gibt leider auch keine Zaubertricks, die dieses Dilemma lösen.

Augen auf beim Baumkauf!

Wenn Sie einen Obstbaum kaufen, lassen Sie sich von der Baumschule beraten, welche Unterlage für welche Baumform geeignet ist. Die Unterlage muss ebenso wie die Sorte auf dem Etikett des Baums vermerkt sein. Ist das nicht der Fall, sollten Sie den Baum nicht kaufen, denn Sie wissen nicht, wie groß er werden wird.

Weiterführende Informationen zu den verschiedenen Baumformen finden Sie hier auf unserer Website.

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