Kleinkronige Obstbäume

Baumformen im Obstbau (BayOZ)
Baumformen im Obstbau (BayOZ)

Im Erwerbsobstbau haben sich in den vergangenen Jahrzehnten bei allen Baumobstarten kleinkronige Bäume als Pflanzmaterial durchgesetzt. Das Bayerische Obstzentrum möchte deren Vorteile auch für Gartenliebhaber nutzbar machen, indem es für die in Mitteleuropa kultivierbaren Obstarten schwachwüchsige Bäume in bester Qualität und robusten Sorten anzieht und zum Verkauf anbietet. Dabei erhalten die Kunden eine Garantie sowohl auf Sortenechtheit als auch auf den Charakter als kleinkroniges Gehölz.

Vorzüge kleinkroniger Obstbäume

  1. Ernte- und Pflegearbeiten können mit nur kurzer oder ganz ohne Leiter ausgeführt werden.
  2. Die Erträge setzen sehr früh ein. Kernobst blüht spätestens im zweiten, Steinobst im dritten Standjahr. Bei starkwachsenden Obstgehölzen hingegen ist mit einem ersten nennenswerten Ertrag nicht vor dem siebten Standjahr zu rechnen.
  3. Die kleinkronigen Bäume benötigen nur wenig Platz. Sie können als Einzelbaum, aneinandergereiht als Hecke, am Drahtrahmen oder als Spalier an einer Wand gezogen werden. Sogar eine Kultur in Kübeln ist möglich, so dass sie auch auf dem Balkon oder der Terrasse Platz finden. Die Kübel bleiben das ganze Jahr über im Freien. Im Winter wird der Topf z. B. mit einer Noppenfolie vor strengem Frost geschützt.
  4. Auf die Fläche, die ein einzelner großkroniger Obstbaum (Halb- oder Hochstamm) beansprucht, können Sie bis zu zehn kleinkronige Bäume pflanzen. So können verschiedene Obstarten und -sorten auch im kleinen Garten Platz finden.
  5. Die richtige Erziehung kleinbleibender Obstgehölze durch Schnitt und Formierung ist wesentlich einfacher als bei Halb- und Hochstämmen.
  6. Die kleinkronigen Bäume können mit Netzen vor Vogelfraß und mit Folienüberdachungen vor Regen geschützt werden. Dies ist insbesondere bei Süßkirschen, aber auch bei Sauerkirschen, Pfirsichen und spätreifenden Zwetschen von Bedeutung.
  7. Befall mit der Kirschfruchtfliege und Kirschessigfliege, welche die madigen Kirschen verursachen, kann hoch wirksam und umweltschonend verhindert werden, indem die Bäume mit insektendichtem Gewebe eingehüllt werden. Vergleichbares gilt für die Vermeidung von madigen Äpfeln und Zwetschen.

Was sind kleinkronige Obstgehölze?

Obstgehölze werden in aller Regel vegetativ über Veredlung vermehrt. Dabei wird eine Knospe oder ein Stück eines einjährigen Triebes der gewünschten Sorte auf die sogenannte Unterlage veredelt. Die Unterlage bildet das Wurzelsystem, die Edelsorte die Krone aus. Für ein und dieselbe Obstart gibt es viele verschiedene Unterlagen. Wichtigstes Kriterium für die Wahl der Unterlage ist die Wuchsstärke, die die Unterlage der aufveredelten Edelsorte verleiht. Am Bayerischen Obstzentrum werden vielversprechende Unterlagen aus aller Welt getestet und neue Unterlagen gezüchtet, die bei der Edelsorte einen schwachen Wuchs bedingen. Eine ausgiebige Testung ist dringend notwendig, da die Eignung einer Unterlage von Standort zu Standort variieren kann. Nur diejenigen Unterlagen, die robust sind und kleinkronige Bäume ergeben, werden für die Veredlung verwendet.

Die vom Bayerischen Obstzentrum erhältlichen kleinkronigen Bäume erreichen in etwa die in der nachstehenden Tabelle angegebenen Ausmaße. Der empfohlene Pflanzabstand entspricht der angegebenen Baumbreite.

Die maximale Höhe wird erreicht, wenn nicht oder nur sehr wenig geschnitten wird, die minimale Höhe bei entsprechenden Erziehungsmaßnahmen (Schneiden und Binden). Die Standardhöhe entspricht den in der Praxis gängigen Werten. Entsprechendes gilt für die Breite.
Pflanzabstand für den Säulenapfel ‘La Torre’: 0,4 – 0,5 m

Von etlichen der hier vorgestellten Sorten ist auf Anfrage auch Pflanzmaterial für größere Baumformen (Buschbaum, Halb- und Hochstamm) erhältlich.

Säulenobst oder kleinkronige Obstbäume?

Der Begriff „Säulenobst“ ist in aller Munde. Viele Zeitschriften berichten regelmäßig von den Vorzügen säulenförmig wachsender Obstbäume, und bunte Kataloge werden gedruckt, in denen mitunter professionell gemachte, farbenfrohe Photomontagen das Obstparadies auf Erden verheißen.

Nur bei Äpfeln gibt es Säulenformen
Hierzu bleibt eines festzustellen: Einen echten Säulenwuchs gibt es nur und ausschließlich beim Apfel.Bei Säulenförmig wachsenden Sorten bildet sich eine senkrechte Mittelachse aus, von der aus nur kurze Seitentriebe abgehen, an deren Ende Blütenknospen sitzen. Die Früchte der meisten Säulenapfelsorten können den Früchten von normal wachsenden Apfelsorten bei weitem das Wasser nicht reichen: Sie sind meist weicher, haben oft eine unangenehm dicke Schale, wenig Aroma und sind schlecht haltbar. Häufig sind die Bäume auch anfällig für wichtige Pilzkrankheiten. Eine Ausnahme bildet die Säulenapfelsorte 'La Torre’. Sie ist robust, und die Äpfel sind festfleischig, aromatisch und lagerfähig.

Birnen, Kirschen, Pflaumen und Zwetschen wachsen von Natur aus niemals säulenförmig
Bei allen anderen Obstarten gibt es keine Säulenformen, die diesen Namen verdient hätten. Selbstverständlich kann man verschiedene Obstarten durch spezielle Schnittmaßnahmen in bestimmten streng geometrischen Formen erziehen. Diese Kunst der Formobsterziehung wurde in Klöstern und Gärten weltlicher Herrscher bereits vor mehreren hundert Jahren praktiziert. Doch es erfordert ein gerüttet Maß an Zeit und Können, um hier Erfolg zu haben. Kleine Fehler können zum völligen Misserfolg führen. Daher können wir nachdrücklich nicht empfehlen, Obstbäume wie Kirschen, Pflaumen, Zwetschen, Mirabellen, Aprikosen, Birnen oder normalwüchsige Apfelsorten als Säulen zu erziehen.

Trotzdem brauchen Sie nicht auf Bäume von Pflaumen, Zwetschen, Kirschen, Birnen oder andere Obstarten verzichten, wenn Sie nur wenig Platz im Garten oder auf dem Balkon haben. Denn Sie können jeden Obstbaum mit normalem Wuchs kleinkronig halten. Entscheidend ist, dass er auf einer Unterlage veredelt ist, die diesen schwachen Wuchs hervorruft. Die einfachsten Erziehungsformen sind die Spindel und das Spalier.

Auch Beerenobst können Sie als Spindel erziehen und mit dieser Erziehungsform Früchte ernten, die noch köstlicher sind. Ein Beispiel dafür ist die Spindelerziehung bei der Aromafelsenbirne, die Sie rechts im Bild sehen.

Wie all das funktioniert, erfahren Sie hier auf unseren Seiten.

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